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Wenn die Ziele winzig sind und weit weg und die Pistolen gross und stark, sind die Metallsilhouetten-Schützen in ihrem Element. 
Eine Sportart, nicht für Anfänger, jedoch spannend für die Zuschauer

 

von Samuel H. Goldstein

Frühling in der Champagne. Über die Weiten des Militärcamps Mailly peitschen Schüsse, gefolgt von einem metallischen "Pleng". Unter einem schmalen Sonnendach liegen in einer langen Reihe Schützen. Die Stellung ist ungewohnt. Nicht auf dem Bauch in der typischen Gewehrstellung, sondern auf dem Rücken. In der rechten Hand eine schwere Pistole oder Revolver, der bei jedem Schuss senkrecht hochsteigt.

Die Ziele sind keine Pappscheiben, sondern schwarze Stahlsilhouetten, auf unterschiedlichen Distanzen aufgestellt. Bis 150 Meter stehen sie auf flachen Ständern im Gras; die Widder auf 200 Meter vor einem Geröllhang. Eine Sekunde nach dem Schuss ein helles Echo und das Ziel kippt langsam vom Ständer. Staub steigt auf. Kurz hoch aus der liegenden Stellung. Im Sitzen den Verschluss auf, Hülse raus und eine neue Patrone ins Lager. Alles schnell und mit der Präzision eines Uhrwerks. Schon liegt der Schütze wieder auf dem Rücken. Mit der linken Hand den Kopf abgestützt, rechts die Pistole am Bein angelegt. Zielen ist schwierig. Von links und rechts die Detonationen der schweren Kaliber. Die Luft vibriert. Jetzt schwebt der kleine Widder sauber über Kimme und Korn. Das Geschoss jagt mit doppelter Schallgeschwindigkeit aus dem Lauf und wirbelt 2700mal pro Sekunde um seine Achse.

Die Waffe schlägt zurück und steigt vorne hoch. Eine Fontäne spritzt hinter dem Ziel auf: Im Geschosslärm die Stimme des Spotters: "Zu tief; eine Hand breit unter dem Bauch durch". Der Spotter, vom Englischen "to spot" - die Trefferlage angeben - steht hinter dem Schützen und sagt Treffer, Zeit und Visiereinstellungen an.

Der vierte Widder ist verfehlt, aber noch steht der fünfte. Also nachladen und zielen. Schuss - und diesmal zerplatzt das Geschoss auf der Silhouette. Die Wucht kippt den Widder über den Ständer. "Mitten drauf!"

Nur noch vereinzelt Schüsse und kurz darauf ein Hupsignal.

Der Match-Direktor übers Megaphon: "Feuer einstellen. Waffen entladen und ablegen." Der Range Officer trägt die vier Treffer von den fünf möglichen ein. Eine ganz einfache Feststellung ohne komplizierte Auswertung. Die Ziele werden wieder aufgestellt, und die Metallsilhouetten-Schützen bereiten sich auf die nächste Runde vor.

Die Geschichte der "siluetas metálicas" verliert sich im Nebel der mexikanischen Geschichte. Pancho Villas Mannen wetteiferten darin, ihr Essen auf weite Distanzen zu schießen. Später organisierten Hacienderos an der Fiesta ein Wettschiessen für Ihre Landarbeiter mit essbaren Preisen. Allerlei Getier wurde angebunden und konnte mit Pistolen und Revolver beschossen werden. Was umfiel und nicht mehr aufstand, wanderte in den heimischen Kochtopf des glücklichen Schützen.

Bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts fanden unter Caballeros noch Wettschießen auf lebende Tiere statt - eine blutige Angelegenheit. Dann verdrängten Stahlsilhouetten

langsam die traditionellen Ziele. Im September 1975 organisierte Lee Jurras für seinen "Club de Auto Mag" den ersten nationalen Wettkampf der USA in Tucson, Arizona.

Die Stahlsilhouetten standen in 50, 100, 150 und 200 Meter Entfernung. Als Mindestkaliber war .357 Magnum vorgeschrieben. Sechs Schützen traten mit der Auto Mag Pistole und sieben mit dem Colt Python Revolver in diesem Kaliber an. Die anderen zogen die dicken .41 Mag, .44 Mag und .45 Colt-Patronen vor.

Elgin T. Gates, ein Millionär und Großwildjäger, erreichte nur den 13. Platz, mit sechs Treffern von vierzig möglichen. Sein Ruf stand auf dem Spiel; sofort besorgte er sich eine Contender Pistole und baute sie auf sein Spezialkaliber 7 mm/.223 um. Eine “Wildcat” (nicht reguläre Patrone) aus einer .223 Remington-Hülse, jedoch mit einem 7mm Geschoss. Beim nächsten Match, im Oktober 1976 in El Paso, Texas, schnitt er besser ab. Von 35 Schützen erreichte er den 2. Platz mit 29 Treffern hinter dem Organisator Tom Beall, der mit 33 von 40 möglichen siegte.

Mit seinem Geschäftssinn - sein Sohn Bill wurde später auch dafür bekannt - gründete er spätnachts im Hotelzimmer die erste Silhouettenorganisation. Jim Bonsor, ein Kanadier hatte mitgeschossen und so ging dieser Wettkampf als erster “Internationaler" in die Geschichte ein. Was für ein Glück für Gates - er konnte seine Neugründung “International Handgun Metallic Silhouette Association", kurz IHMSA, nennen. Schnell entschlossen legten die elf Gründungsmitglieder die wichtigsten Regeln fest und ließen die IHMSA als Firma (Incorporated) eintragen. Wer künftig einen Metallsilhouetten-Wettkampf austragen wollte, wurde von Gates Firma mit Startkarten und Unterlagen unterstützt und der Match erschien im Verbandsblatt "The Silhouette". Dies ist noch heute so.

Allerdings müssen bei einem offiziellen IHMSA-Wettkampf alle Teilnehmer einen IHMSA-Wettkampfpass haben und der Organisator zahlt am Ende pro Start 1 US-$ an die Firma. Auch der Wettkampfpass kostet Geld: 20 US-$ pro Jahr, allerdings ist dabei ein Abo der Zeitschrift enthalten.

Geschossen wird in vier Disziplinen: Revolver und Serien-Pistole, beides liegend, stehend mit einer Serienwaffe und als Königsdisziplin Unlimited. Aber nicht nur verschiedene Diszipline sind möglich, sondern auch in unterschiedlichen Klassen wird angetreten. Anfänger starten in C. Je mehr Treffer erreicht werden, desto höher steigen sie auf, über B und A bis zur höchsten Klasse

"International". Im deutschsprachigen Raum schießen bis jetzt kein Dutzend Schützen in der höchsten nationalen Klasse und nur zwei in International. Wäre diese Staffelung nicht, müssten Anfänger immer gegen die Cracks antreten; auf Dauer ganz schön frustrierend. Der weltweit gültige Wettkampfausweis ist sehr sinnvoll. Alle Ergebnisse werden darin eingetragen. So kann kein A-Schütze an einem wichtigen Wettkampf in der B-Klasse starten.

Im BDS (Bund deutscher Sportschützen) hat das Metallsilhouetten-Schiessen Tradition. Unter Hans-Georg Courth fand schon 1982 der erste offizielle Wettkampf statt. 1984 organisierte er die erste Deutsche Meisterschaft. Zuerst auf Ständen der US-Besatzung in Butzbach, dann in Belgien und 1991 erstmals auf einem Bundeswehrplatz.

Die Metallsilhouetten Schützen Schweiz wurden 1988 von Auslandschweizern an der Europameisterschaft in Norwegen gegründet, kurz darauf organisierten sich auch die Österreicher. Die größte Verbreitung genießt diese Sportart in Frankreich. Dort wird auf über 50 festen Plätzen Silhouette geschossen. Aber auch die Finnen sind sehr stark.

1989 gründeten die 7 Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Österreich und die Schweiz die Dachorganisation AETSM (European Metallic Silhouette Shooting Association) in Paris. Die Mitglieder erkennen gegenseitig die nationalen Wettkampf-Ausweise an. Mit dem blauen BDS-Ausweis ist jederzeit ein Start in Frankreich möglich; in den USA jedoch wird weiterhin nur der weltweit gültige IHMSA-Ausweis akzeptiert. Wer diesen nicht vorlegen kann, muss in der höchsten Klasse starten!

Wie sieht denn nun so ein Metallsilhouetten-Wettkampf aus?

Die Grundidee ist ganz einfach und deshalb auch so spannend fürs Publikum: Tiersilhouetten aus 10-13mm dickem Stahl stehen in vier Entfernungen. Je 5 Hühner in 50 Meter, 5 Schweine in 100 Meter, 5 Truthähne in 150 Meter und 5 Schafböcke sogar 200 Meter vom Schützen entfernt. Nach 5 Probeschüssen startet er mit dem ersten Ziel, den Hühnern. Waffe, Munition und Zubehör liegen auf einem Tragekasten daneben.

Beim Befehl des Matchdirektors: "Laden", darf die Waffe erst berührt und geladen werden. 30 Sekunden später, beim Feuerbefehl, wird auf das erste Huhn geschossen. Ein Treffer lässt die Figur durch die Luft wirbeln, Fehlschüsse enden in einer Staubwolke daneben. Erlaubt sind nur fünf Schüsse, und nach zwei Minuten ist alles vorbei. Treffer ist alles, was nicht mehr steht.

Jetzt werden die Figuren für den zweiten Durchgang aufgestellt. Der zweite Durchgang beginnt. Hinter dem Schützen steht der Spotter, der die Trefferlage ansagt, die Zeit überwacht und auch nötige Visierkorrekturen vorschlägt.

Außer in der Stehend-Disziplin wird überall liegend geschossen, in Rückenlage. Bekannt sind die Stellungen "Creedmoor" und "Dead Frog". Wer diese wirr aussehende, aber entspannte Haltung beherrscht, hält die Waffe völlig ruhig. Und das ist auch wichtig. Denn die Ziele sind nicht gerade groß. Über die Visierung wirken sie so schmal wie das Korn, und das ist nur zwei Millimeter breit und einen Meter weg vom Auge. Kimme und Korn müssen exakt aufs Ziel gerichtet sein. Steht eines davon nur 0,2 mm daneben, ist Treffen unmöglich.

Wer in der DSB-Pistolendisziplin nur 10er schießt, trifft deshalb noch lange nicht alle Silhouetten. Der Truthahn - als schwierigstes Ziel und deshalb Wappentier der Schweizer Silhouetter - verlangt noch höhere Präzision.

Auch die Bedingungen sind viel schwieriger als in einer Schiesshalle mit perfekt ausgeleuchteten Scheiben. Geschossen wird im Freien, bei strahlender Sonne, Wolken, Regen und Wind. Die Silhouetten stehen auf dunklem, sandigem Platz, neben Grasbüscheln und sind schwer auszumachen. Ein alter Schütze meinte einmal: "Silhouettenschiessen ist wie normales Pistolenschiessen, auf einem zugigen Stand, wo eine Lampe dauernd an und ausgeht, es zur Decke reinregnet und Du nur Zehner auf einer braunen Tarnscheibe schießen darfst. Das Ganze noch unter Zeitdruck mit Magnumschützen links und rechts".

Der Widder in 200 Meter Entfernung wiegt 25 kg und steht auf breiten Plattfüssen. Leichte Geschosse stören ihn nicht in seiner stoischen Ruhe, auch wenn sie schnell ankommen. Nur schwere Brocken werfen ihn um. Eine .357 Magnum, die zum Papierscheiben lochen schon als Overkill gilt, wirft ihn nur bei guten Treffern um. Ein tief platzierter Schuss bringt ihn kaum ins Wanken. Dafür gibt es keine Punkte. Deshalb ist der Patronen-Standard bei den Revolverschützen .44 Magnum, aber auch die .454 Casull oder sogar .445 E.T.Gates (.445 SuperMag) sind anzutreffen.

Nur Kraft allein bringts allerdings auch nicht. Der Widderrumpf ist nur 30 cm hoch. Streukreise über 30 cm auf 200 Meter sind also witzlos. Auf dem 25m-Stand entspricht

das etwa 3 cm. Nicht viele Schützen schaffen dies 40 mal hintereinander mit schweren Kalibern.

Bei den Pistolen-Disziplinen herrschen die 7mm Wildcats vor. Am bekanntesten ist die 7 TCU, die der 7 mm /.223 von Elgin T.Gates entspricht. Leider sind Waffen dieses Kalibers in Frankreich verboten, da sie als Kriegswaffen gelten, weil sich daraus eine .223 Remington abfeuern lässt. Das 5,6 mm Geschoss wird zwar ungeführt über die Züge und Felder fliegen, aber dieser technische Unsinn interessiert den Gesetzgeber nicht. Pech für deutsche und schweizer Silhouetter, die gerne in Frankreich schießen, denn dort sind die meisten Schiessplätze dafür.

Aus diesem Dilemma hilft die Patronenentwicklung des schweizer Schwingungsphysiker Guido J. Wasser. Die "7x49 GJW" ist die Weiterentwicklung der 7 TCU mit höherer Präzision, und rund 30 % mehr Leistung auf 200m. Sie ist 5 mm länger, so dass Patronenlager leicht dafür aufgerieben werden können. Auch kommt sie mit keinem Gesetz in Konflikt, denn sie ist keine "Wildcat", wie die anderen Silhouettenkaliber, sondern offiziell nach CIP zugelassen und steht auch im deutschen Waffengesetz. Die IHMSA in den USA hat sie sogar für Produktions-Waffen (Serienwaffen) zugelassen.

Die "7mm Benchrest" ist eine weitere Wildcat, von Remington für die Pistole XP-100, ein Kurzgewehr mit Zylinderverschluss, eingeführt. Ihre Leistung liegt geringfügig über der 7 TCU.

Auch die 7mm IHMSA, die 7-30 Waters und sogar die Gewehrkaliber 7x57 und .308 Winchester werden von den Pistolenschützen in der Unlimited-Klasse eingesetzt. Da ist

die Geschossenergie in 200 Meter Distanz noch höher als bei einer .357 Magnum direkt vor dem Lauf.

Auch wenn die dicken Brummer am meisten Spaß machen; beim Silhouetten-Schießen gibt es nicht nur Großkaliber. Sogar mit Waffen im Kaliber .22 lr, also mit Kleinkaliber, wird diese interessante Disziplin geschossen. Zwar fehlt der Rückstoß, aber leichter ist die Sache trotzdem nicht.

Die Ziele stehen auf der halben Distanz, sind jedoch nur drei Achtel so groß wie bei Großkaliber. Auf 100 m wirkt der bierdeckelgroße Rumpf des Widders geradezu winzig. Wer hier trifft, hat nicht nur ein gutes Auge, sondern auch eine hochpräzise Waffe.

Browning und Ruger bieten dafür in den USA langläufige Pistolen an. Als erster deutscher Hersteller machte Anschütz von sich reden. Seine "Exemplar" ist die ideale Waffe für ein Erfolgserlebnis in dieser Sportart. Für rund DM 600 erhält man eine einfache Pistole, die nicht nur in Europa für erste Plätze gut ist. Sogar die Weltmeisterschaften der letzten Jahre dominierte sie. Durch den Zylinderverschluss ist sie leider nur in einer einzigen Disziplin, der "Unlimited", einsetzbar.

An der letzten Deutschen Meisterschaft des BDS überraschten drei Teilnehmer mit einer weiteren Waffe aus deutscher Produktion: HW-9ST, ein KK-Revolver mit 10-Zoll-Lauf von Weihrauch. Schon Mitte der 70er Jahre für den US-Markt entwickelt, wird er jetzt wieder auf dem europäischen Markt angeboten.

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Nach sechs Jahren im Ausland war dies die 7. DM und ein organisatorischer Durchbruch. Auf dem selben Platz, der Bundeswehr-Schiessanlage von Baumholder bei Idar Oberstein, ist diesen Sommer sogar die Europameisterschaft geplant.

Die Organisation ist recht komplex. Allein das Aufstellen der Silhouetten erfordert viele Helfer mit guter Kondition. Bei der letzten EM wurden die Figuren rund 44.000 Male aufgestellt, sodass allein bei Großkaliber eine Gesamt-Masse von 18,7 Tonnen bewegt werden musste.

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Bei den hier vorgestellten Großkaliber-Waffen geben wir keine Streukreise an. Dies hat seinen Grund. Die hohen Geschoss-Energien erschüttern die doch recht leichten Waffen kräftig und bringen sie in Schwingung. Somit ist der Streukreis vom Zusammenwirken von Waffe und Munition stark abhängig. Mit der richtigen Abstimmung erreichen Silhouetten-Waffen immer Streukreise um 10 cm auf 100 m. Generell sind Revolver etwas schlechter dran und Unlimited-Pistolen wiederum besser als Produktions-Waffen.

Hier die groben Zusammenhänge zwischen Streukreis, Silhouetten und Visierung:

Dass Waffen fürs Metallsilhouetten-Schiessen präzise sein müssen, ist klar. Je enger der Streukreis und je länger die Visierlinie, desto mehr Chancen hat der Schütze, das weit

entfernte, kleine Ziel zu treffen. Schießt die Waffe auf 25 Meter einen Streukreis von 40 Millimeter, ist sie schon nicht mehr geeignet, denn dies entspricht in 150 Meter Distanz 20 cm und in 200 Meter 32 cm. Der Rumpf des Truthahns ist jedoch nur 20 cm und der des Widders 30 cm hoch. Treffer werden mit so einer Waffe zum Glücksspiel.

Aber auch mit besseren Waffen und Munition wird es schwierig. Eine gute Pistole der Unlimited-Klasse streut auf 25 m weniger als ein halbes Zoll (1,25 cm). Dies sind auf 200 Meter unter günstigen Bedingungen 10 cm. Beim Widderkörper mit 30 cm Höhe, bleiben für Zielfehler oben und unten nur noch je 10 cm Reserve. Bei der maximal erlaubten Visierlinie von 381 mm darf das Korn keine 0,2 mm höher als die Kimme stehen, sonst ist der Schuss drüber oder drunter. Und das Korn ist rund einen Meter vom Auge weg! Richtig schwierig wird es beim "shoot off", dem Stechen um die ersten Plätze. Da stehen die 10 cm hohe Hühnchen auf 200 m. Wer da noch trifft, gehört zur ersten Garnitur.

Ist es in der Unlimited-Klasse schon schwierig, grenzen die Voraussetzungen in der Produktions-Klasse schon fast an Wunder. Nehmen wir zum Beispiel die Contender-Pistole, das "Arbeitspferd der Silhouetten-Schützen". Mit gut abgestimmter Munition bleibt der Streukreis auf 25 Meter unter 2 cm. Dies entspricht auf 200 Meter jedoch schon 16 cm Streuung. Da bleiben für Schützenfehler oben und unten auf der Silhouette nur noch je 7 cm. Bei der kurzen Visierlinie von 24 cm darf das Korn nur 0,084 mm falsch stehen. Sonst erklingt kein helles "Pling" auf dem Ziel; es staubt nur noch im Gelände!

Nicht umsonst gelten Schützen mit 30 Treffern von 40 möglichen schon als weit über Mittelmass. Bei der “Internationa-len Deutschen Meisterschaft 91" erreichten nur knapp ein Drittel aller Starter im liegenden Anschlag dieses Ergebnis. Bei den Stehenddisziplinen gelang dies nur einem von 73; alle anderen erreichten höchstens 25 Treffer.

Umso bemerkenswerter das Ergebnis, das der Deutsche Ludwig Dreilich bei einem Monsterwettkampf zur selben Zeit in den USA erreichte. Von 120 möglichen verfehlte er nur 7 Silhouetten. Und das nicht etwa im stabilen Liegendanschlag, sondern frei stehend! Das ist nicht nur amerikanischer, sondern auch Weltrekord.

Das Zusammenspiel von Waffe und Munition lässt sich bei den geringen Streukreisen nur noch mit Zielfernrohr optimieren.

Tests auf die sonst übliche Distanz von 25 Meter besagen nicht allzu viel für die Silhouetten-Praxis. Die energiereichen Großkaliber-Geschosse fliegen nicht von Anfang an geradeaus, vielmehr torkeln sie beim Laufaustritt auf einer Kreiselbahn und stabilisieren sich erst nach 80-100 Meter Flug. Die Streukreise können deshalb auf Kurzwaffenständen rein zufällig kleiner oder größer ausfallen, als ein 100 m - Schussbild rechnerisch ergeben müsste. Metallsilhouetten-Waffen verlangen eben nach einem langen Schiesstand.

Wem das Lochen von Pappscheiben zu langweilig geworden ist und eine wirklich schwierige Schießsportart sucht, der ist bei der Metallsilhouetten-Schützen gerade richtig!

1991 geschrieben