Brief 28

Kurzmitteilungen

Schweiz : Deformationsgeschosse

In der Schweiz gibt es z.Zt. Turbulenzen um das Verbot, Deformationsgeschosse für Kurzwaffen zu benutzen. Hintergrund ist, dass die Polizei aufpilzende Geschosse in ihren Pistolen einsetzen wollte, wie sie in Deutschland seit einiger Zeit bei den Behörden auch benutzt werden. Da dies jedoch abgelehnt wurde (aus sogen. humanitären Gründen), verfügte Bundesrätin Metzler, dass auch Private keine sogenannte Deformationsgeschosse mehr benutzen dürfen. Dies sollte lediglich den Jägern erlaubt werden.

Nun ist die Definition von Deformationsgeschossen weit schwieriger als die in Deutschland verbotenen Hohlspitzgeschosse, die lediglich in Patronen verboten sind, die als Kurzwaffenpatronen bei der CIP gelistet sind.

Deformiert wird jedes Geschoss schon beim Einprägen der Felder und Züge. In unserem Sport jedoch spätestens beim Auftreffen auf den Silhouetten. Was gemeint ist, ist klar, aber eine juristisch haltbare Definition dürfte recht schwierig sein. Das erinnert mich an einen Anleitung, die exakt beschreibt, wie man eine Türe öffnet, durchgeht und wieder schliesst. Daran sind schon Journalisten und sogar Profis für Bedienungsanleitungen gescheitert!

Die Definition des Verbotes obliegt nun Claude Mebes. Ich habe ihm deswegen Artikel über unseren Sport und speziell über die verwendeten Patronen und deren Anforderungen und Präzision zugesandt. Bei den Pistolen war der Vorschlag gemacht worden, Konstruktionen von Händel & Natermann (verkupfertes Blei) einzusetzen. Diese recht preisgünstigen Geschosse haben leider einen schlechten B.C. und erreichen auch die Präzision der Matchkings nicht annähernd. Letztere waren schon in Deutschland in die Diskussion bezüglich Hollowpoints geraten, aber nachdem ich dafür sorgte, dass 7 BR, 7GJW und 7 TCU bei der CIP in der Sparte „Langwaffen-Kaliber“ gelistet wurden, ist der Einsatz in unseren Kurz- und Langwaffen auch in Deutschland problemlos.

Herr Mebes hat meine Unterlagen als Reiseliteratur auf einer Zugfahrt nach Wiesbaden genutzt und hat mir anschliessend berichtet, dass die 7 mm, .30er Matchkings und ähnliche Konstruktionen nicht unter das Verbot fallen. Also haben die schweizer Silhouetter keine Nachteile und auch die Deutschen, Niederländer und Skandinavier, die zur WM durch die Schweiz fahren, sind weiterhin gern gesehene Gäste.

Nun gibt es ja bei den Revolvern selten Matchkings, sondern plattnasige .44er-Geschosse wie die Hornady Silhouette.  Herr Mebes hat deshalb dem bekannten Ballistiker Dr. Kneubuehl den Auftrag gegeben, solche Konstruktionen bezüglich Deformation zu untersuchen. Er dürfte gerade hier wissenschaftlich führend sein, befasste sich doch seine Dissertation schon mit Abprallen und Deformation von Kurzwaffen-Geschossen. Auch das Buch „Wundballistik“, das eine Zusammenarbeit zwischen ihm und dem deutschen Prof. Sellier ist, gilt als Wegweiser. Bei diesen Arbeiten wurde festgestellt, dass auch sogen. „Mannstopper“ zu wenig aufpilzten und bei den geringen Geschwindigkeiten aus Kurzwaffen wenig Wirkung zeigten. Man kann also davon ausgehen, dass die Untersuchung bei unseren typischen Wettkampf-Geschossen keine verbotene Deformation feststellt.

Somit wird eine der besten Revolverschützen, der schweizer Hanspeter Kobelt, nicht durch unsinnige Gesetze oder Verordnungen behindert und kann seine Erfolgsserie auch an dieser WM fortsetzen.

Generell sind hier gute Leute am Werk. Über Dr. Kneubuehls wissenschaftliche und praxisnahe Kompetenz etwas auszusagen, hiesse, Eulen nach Athen zu tragen und Claude Mebes machte auf mich den Eindruck eines gesetzestreuen und logisch denkenden Beamten, der keinen Unsinn mitmacht oder sogar selber initiiert.

Damit wir keine Probleme an der Grenze oder in der Schweiz haben, wird er mir entsprechende Unterlagen bald zur Verfügung stellen, die ich natürlich an alle weitergeben werde. Damit, und mit einer Einladung zur WM, kann jeder rechtlich korrekt durch die Schweiz reisen. Ich hoffe, dass dies auch wieder viele nutzen. Schliesslich ist es ein schönes, freies Land und man kann sogar die hohen französischen Autobahngebühren sparen. Was will man noch mehr?!

Danke an Bernhard Paolini, der sich als IMSSU-Präsident direkt an die Bundesrätin Metzler gewandt hat, um Nachteile für einzelne Schützen an der WM auszuschliessen.

Publikationen

Das Schweizer Waffen Magazin hat meinen Riesenartikel übers Silhouetten-Schiessen in den Folgen 2, 3 und 4 veröffentlicht. Diesen hatte ich schon vor gut 2 Jahren für ein Sonderheft geschrieben, das dann nie erschien. Auch wenn er gekürzt wurde und nicht immer die Bilder verwendet wurden, die ich genommen hätte, ist es doch schlichtweg toll, unsere Sportart auf insgesamt 30 Seiten veröffentlicht zu sehen. Ausserhalb der Schweiz sind die Hefte nur als XXL-Abo von „Visier“ zu erhalten. Dort könne sie jedoch einzeln  nachbezogen werden. Die erste Folge ist auch unter AKTUELLES bei www.silhouetten.org veröffentlicht.

Die Zeitschrift CALIBER hat im Aprilheft als „Patrone des Monats“ die 7 GJW zweiseitig vorgestellt. Etwa zur WM soll ein grösserer Artikel über Silhouetten-Patronen und deren Anforderungen erscheinen.

IMSSU – Production

Nachdem es bei der Waffenkontrolle immer wieder Diskussionen um den „Production“-Status einiger Waffen gab, hat die IMSSU beschlossen, dass alle Waffen, die in dieser Serienwaffen-Disziplin bis Ende 2001 offiziell starteten, den Status nicht mehr nachweisen müssen. Lediglich Neukonstruktionen nach diesem Datum müssen nachweisen, dass sie den Regeln (Abmessungen, Gewicht) entsprechen und dass mindestens 30 Stück gebaut wurden.

Im Klartext: Picra-Pistolen SP-96 und 98, die Sardec-Pistole, Hämmerli P-163, der Supersonic-Revolver und die Rhöner Silhouetten-Pistole gelten unwiderruflich als PRODUCTION. Dies gilt auch für die WM. Noch nicht prüfen konnte ich den Status des Winston-Revolvers in .357 Mag und .22 lr., da er ausserhalb der CZ nicht erhältlich ist.

Das wars in Kürze.

Lets shoot silhouettes!

Guido J. Wasser 27.04.2002