IWA 2001

Die IWA in Nürnberg ging gestern zu Ende. Ich war nur knapp 2 Tage dort und fand nicht allzuviel Neuheiten. 

Weite Schüsse

Nach meinen Erfahrungen beim 1000 m-Schiessen im schweizer Elm (Glarus), hatte ich einiges über die Montage von Zielfernrohren für weite Schüsse geschrieben. Eine Version wurde letzten Herbst im japanischen GUN-Magazine publiziert. Da der Text in Kanji ist, dürfte er den meisten hier unverständlich sein. Ein anderer Artikel sollte schon im IWM erschienen sein, aber da dies wegen Platzmangel noch nicht erfolgte, versende ich ihn für die Mitglieder hiermit als Anhang. 

ZF-Montage

Interessant ist in diesem Zusammenhang die ZF-Montage der schweizer Firma Küng aus CH-4410 Liestal (041) 661-922 12 / 30 Tel., bezw. /45 Fax. Die Basis lässt sich mit einem Drehrad schwenken. Die Skalierung ist für das entsprechende Kaliber direkt in Meter graviert und lässt sich sogar nullen. Diverse Kaliber sind im Angebot, aber auch Höhenverstellungen für eigene lassen sich herstellen. Die Mechanik macht einen stabilen Eindruck; sofern ich sie erproben kann, werde ich darüber berichten. Zwei JPG-Bilder davon habe ich angehängt.

Pietta-Revolver

Die Firma Pietta glaubt offensichtlich immer noch an ihren Silhouetten-Revolver. Auf dem Stand war einer ausgestellt, der auf eine Schwein-Silhouette drapiert war. Ironischerweise zeigte das Ziel zwei Durchschüsse, was weder sinnvoll, noch mit diesem Revolver zu schaffen ist. Die danebenliegende Grafik von Lapua zeigte dann, dass der Impuls auf 200 m den Widder nicht zuverlässig umwerfen würde. Natürlich habe ich das aus der V200 und Geschossmasse gerechnet; angegeben war dieser Wert nicht, sondern die unwichtige Energie. Anfassen konnte man das seltsame Stück nicht, denn er war eingeschlossen und der Abzug mit Kunststoff blockiert.

Am Lapua-Stand bestätigte Hanne Ortesoja dann, dass die von ihnen gefertigte Patrone .30-357 AeT nur bis maximal 100 m gedacht sei. Die Zeitschrift Armi e Tiro (AeT) war mit der Vorhersage über ihre Silhouetten-Patrone wohl zu voreilig. Dass Visier den ungeprüften Testbericht dann publizierte, ändert nichts an dem viel zu geringen Impuls. Esko Lempola erhält bald ein Testexemplar und wird danach berichten.

Bücher

Das Lapua-Ladebuch ist neu, von VihtaVuori gibt es die 64seitige Ergänzung 1-01 mit weiteren Daten für die speziellen Silhouetten-Kaliber 7 TCU, 7 BR, 7 GJW und .357 Maximum, aber auch .357 SIG, .454 Casull, .22 Hornet etc. sind drin.

Das aktuelle 4. DEVA-Ladebuch ist letztes Jahr erschienen und listet ausschliesslich auf Druck geprüfte Ladungen auf, was in den USA etwas lockerer gesehen wird. Da kann´s schon mal vorkommen, dass eine Ladeangabe nicht in die Hülse passt!

Dr. Kneubuehl hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass sein Buch „Geschosse“ in der 2. Auflage 1998 erschien. Sorry, ich hatte nur die Erstausgabe. Nun hoffe ich bald, die Neuauflage von „Wundballistik“ zu erhalten, die er stark erweitert hat. Einige wenige Exemplare von B. Kneubuehls Dissertation sind noch vorhanden. Bei Bedarf bitte direkt mit ihm Kontakt aufnehmen (Bücherverzeichnis und Links).

Markus Trafelet, Mitglied des Schweizer Schützen Verein Köln, hat ein wunderschönes, gut 300 Seiten starkes A4-Buch geschrieben: „Ich bin Eidgenosse – Historik, Schlachten, Waffentechnik“ Es beginnt im 13. Jahrhundert und listet detailliert und mit Bild die persönlichen schweizer Waffen der letzten 130 Jahren auf. Es erscheint in einer winzigen Auflage für preisgünstige 100.- (Ob Franken oder DM, ist noch nicht sicher – jedoch keine Euro).   Es schliesst mit dem Satz: „Der Dienst unter den Waffen ist eine Pflanzstätte der Kraft und Entschlossenheit und aller Tugenden des freien Mannes.“

Visiere / Optik

Anschütz bietet überraschend Visiere für die Contender an. Nicht nur der Extender zur Montage der bekannten Korntunnel für 14 in.- und 10 in.-Läufe, sondern auch eine Basis für Diopter mir grossem Loch (6 mm), das auch für den Liegendanschlag passen soll. Die Idee geht auf unsere österreichischen Silhouetter zurück und wurde dann auch in Wien erprobt. Von IMSSU und IHMSA ist beides homologiert und natürlich auch direkt auf Anschütz-Pistolen montiert erhältlich. Für Grosskaliber empfielt Dieter Anschütz, die beide oberen Schrauben mit Loctite festzulegen, da hier der Rückstoss heftiger als auf einem 300 m-Gewehr ist!

Das einzige ZF mit grossem Augenabstand bei hoher Vergrösserung, das ich fand, ist das Leupold 2,5 – 8 x 32. Viele andere eignen sich nicht für Long Range, da bei Erhöhen der Vergrösserung der Augenabstand reduziert wird. Das führt zu einer verkrampften Haltung. A.E. Braun wirbt mit billigeren Gläsern, die das auch können sollen, aber ich habe damit keine Erfahrung.

Fuji demonstrierte ein gegen Wackeln kompensiertes Glas – kein ZF, wie in einem meiner Aprilscherze im DWJ, sondern als Feldstecher. Ob es sich zum Spotten eignet, hoffe ich, erproben zu können. Die Version von Cannon schafft es jedenfalls nicht, da bei jedem kräftigen Knall das Bild nach oben verschwindet. In der Praxis steht der Widder auch bei 15facher Vergrösserung klar und unverwackelt bis ein Schuss fällt. Dann haut er nach oben ab, sodass ein Treffer nicht mehr erkannt wird – ein Fehlschuss natürlich ebensowenig. Fuij´s Version gibt auf seinem Prospekt zwar keine Typenbezeichnung an, aber das Verfahren nennen sie „Techno-Stabi“ und es soll +/- 5 Grad ausgleichen – bei einem Blickwinkel von 4 Grad. Die Vergrösserung ist 14fach, die Masse 1,3 kg und der Preis ist mir noch nicht bekannt. Ich bleibe hier am Ball!

Etui

Hüllen für unsere Pistolen und Revolver sind meist zu klein, diejenigen von Flinten zu gross und aus einfachem Kunststoff. Ich habe deshalb mit José Luis Querol von der spanischen Firma Venator verhandelt, um eine kleine Auflage von gepolsterten Hüllen aus stabilem Vachette-Leder herzustellen. Ich hoffe, den Preis bei ca. 150.- halten zu können. Interessenten mögen mir bitte bald angeben, für welche Kurzwaffe sie so ein edles Teil haben möchten. Möglicherweise werden zwei Grössen hergestellt: für Production und für Unlimited. Venator aus Saragossa ist bekannt für seine perfekt verarbeiteten Lederkoffer und hat hier keinen Importeur.

Diverses

Sierra bietet Geschosse von 5,6 und 6 mm mit Polycarbonat-Spitzen an. Das bekannte 7 mm 168 gr.-Geschoss, sowie einige andere sind jetzt auch molycoated erhältlich. Ich will bald die Vor- und Nachteile dieser Beschichtung ausprobieren. Wer hat schon Erfahrungen? 

Timney schoss ein hübsches Eigentor mit der Werbung, dass sie sehr nahe an der Perfektion seien. Leider war auf der verteilten Kopie dieses Statements der linke Rand so beschnitten, dass einiges nicht lesbar war. Das nenne ich Perfektion!

S&W und Taurus stellten je einen Revolver in .44 Magnum mit 12 in.-Lauf vor. Schade! Wäre er nur 1.25 inches kürzer, könnte man ihn in unserer Revolver-Klasse einsetzen. So muss er eben bei Unlimited antreten. Oder ist das Absicht, weil die Modelle nicht für die Belastung des Silhouetten-Schiessens ausgelegt sind? Das Bild des Taurus habe ich angehängt; den S&W hat Hans J. Heigel zum Test für´s DWJ.

Skurril sahen die Modell mit rund doppelt so langem Lauf aus, die den britischen Gesetzen genügen.

Aus Irland kommt eine Einladung. im Mai Gewehrsilhouetten zu schiessen, da auch dort die britische Herrschaft Kurzwaffen verboten hat. Wer hat Interesse? Organisiert wird es von Declan Keogh ( declanc@indigo.ie ).

Der DSB gab eine gut gemachte Broschüre heraus: „Frauen formen Zukunft“. Es soll wohl dem weiblichen Geschlecht das Schiessen erleichtern. Beim Silhouetten-Schiessen dürfte so ein Heft unnötig sein, denn hier gibt es keine geschlechtsspezifischen Diszipline. Trotzdem (oder gerade deswegen) waren bezw. sind Doris Latz, Marcela Dreilich, Michaela Bartosova, Sylvia Striegel, Bärbel Kloos und Cathy Winstead auf den vordersten Plätzen verteten. Rein statistisch sind sie sogar deutlich besser als die Herren der Schöpfung! Dass sich Silvia Sperber-Seiderer nicht so gut mit Statistik auskennt, zeigt ihre Aussage im DSB-Frauenheft,  schiessen würde zu 98 Prozent im Kopf entschieden. Oder errang sie ihre tollen Siege mit nur 2 Prozent Können, Feeling und Material?

Das nächste SWM soll als nur noch als 32seitiges Inlay im Visier erscheinen. Danach dürfen´s wieder 48 Seiten (inkl. Anzeigen) sein. Der für dieses Heft vorgesehenen Artikel über die Silhouetten-Version des ZKR-Revolvers musste nochmals verschoben werden und soll nun endlich im Mai-Heft. Auch andere Beiträgel werden geschoben - bis sie nicht mehr so exklusiv sind.  Martin Schobers Bericht über einen schweren Revolver im Kaliber .600 Nitro Express soll jedoch im April-Heft erscheinen.

BDS/BDMP

Fritz Geppert, Präsident des BDS, bestätigte mir, dass es eine Absprache zwischen ihm und dem BDMP gäbe, dass dieser das Silhouetten-Schiessen einstellen würde und die Disziplin bald aus dem Sporthandbuch streichen würde. Offensichtlich werde ich somit nicht mehr lange Bundesreferent für diese Sportart sein. Alle meine Anfragen an den Präsidenten des BDMP wurden – seit Dr. Schilling sein Amt angetreten hat – nicht beantwortet. Sogar ein händeringend von der V0-Redaktion von mit verlangter Silhouetten-Artikel wurde dann auf Geheiss des Präsidenten nicht veröffentlicht. In seiner Amtszeit wurden auch weder Spesen noch angeschaffte Geräte erstattet oder ein Budget bewilligt. Der Schiessstandbeauftragte erklärte sogar an einer offiziellen Sitzung, dass Hartziele in Deutschland generell verboten seien (siehe Anlage). Daraufhin ging sogar der Bianchi-Cup vom BDMP weg. 

Fritz Geppert hat nun den Stand in Phillipsburg gekauft und will ihn so ausbauen, dass ab nächstem Jahr dort Silhouette auf mehreren Bahnen geschossen wird. Sobald dies konkreter ist, kann ich nur empfehlen, diesem Verband beizutreten, um unsern Sport auszuüben!

Die internat. Landesmeisterschaft wird vom 20. – 22. April in Ingwiller stattfinden. Anmeldungen bei Dr. Neumann, Bonn. Die internat. DM findet vom 7. – 11. Mai in Baumholder statt. Hier ist Bundessportleiter Keilen zuständig.

 

So, das war wieder viel und ich hoffe, dass sich die schnellen Informationen für die Mitglieder lohnen, sodass auch die Beiträge zur Finanzierung der Internet-Seite fliessen!

 

13. März 2001 GJW