1000m-Schiessen in Elm

Im Kanton Glarus auf rund 1000 Meter Höhe führte die Schweizer Mittelkaliber-Gesellschaft ein Scheibenschiessen für Gewehre auf 1000 m Distanz durch. Es war neblig, regnerisch und recht kalt. Überraschenderweise erzielten nicht die .50 BMG-Waffen die besten Ergebnisse, sondern kleinere Kaliber. Leider stand in der Ergebnisliste weder Waffe noch Munition, sodass ich nur von selber beobachteten Bruchstücken berichten kann. 

Mit einem korrekten Einschiessen auf 300 m und einem guten Ballistik-Programm konnte man zumindest schon mal auf der Scheibe landen. Leider waren viele 50er nicht von allzu viel Sachkenntnis getrübt und lagen nach mehreren Dutzend Probeschüssen immer noch ausserhalb der Scheibe. Nervig war auch, dass einige Scheiben zeitweilig ausfielen und die sonst so tolle Elektronik nichts registrierte. Problematisch für Anfänger war, dass 500 m-Scheiben eingesetzt wurden, denn nur mit deren kleinem Trefferfeld kam eine Elektronik klar.

Die Organisation war relativ desolat. Auch die hohen Startgelder von 150 Franken bei Vorauszahlung (175.- auf dem Platz) verwunderten etwas und speziell, dass man für jeden Probeschuss auch nochmals 2 Franken bezahlen sollte. Schliesslich musste man die Munition selber mitbringen und man hatte 1 Stunde Zeit für beliebige Probeschüsse und den 30 Schuss-Wettkampf.

Auch die Scheibenauswertung war seltsam. Da viele Teilnehmer die Scheibe nicht trafen, wurde bei uns mitten im Programm eine Null ausgedruckt, die wohl von einem anderen Schützen herrührte, da wir nicht geschossen hatten. Trotzdem wurde er uns "gutgeschrieben". Andere wiederum kompensierten ihre Fehlschüsse im Programm einfach durch mehr Schüsse. Schliesslich wurden nur die Nuller auf der Scheibe protokolliert.

Mehrfach setzten die Scheiben aus. Es erfolgte keine Anzeige und man wusste nicht, weshalb. War es ein Fehlschuss, oder eine Fehlfunktion? Am Samstag war einige Zeit bis zu drei Scheiben ohne Funktion. 

Da nur zwei Personen als Aufsicht fungierten, wurden die Schützen weder über die Bedienung der Anzeigen, noch über die aktuellen Schiesszeiten oder das Ausfüllen des Schiessbüchleins instruiert. 

Gerald Heid, den ich coachte verwendete die Patrone .308 Norma Magnum, aus einem Gewehr, das auf einem Verschluss von Tikka basierte. Es war speziell fürs Silhouetten-Schiessen (stehend bis 500 m) ausgelegt. Bei einem richtigen Long Range Gewehr könnte man den Lauf wesentlich dicker und auch etwas länger machen. Letzteres, um eine höhere Geschwindigkeit zu erzielen. 

Bei Silhouette mit dem niedrigen Gewichtslimit (ZF kann mit Montage schon mal 1 kg wiegen) macht man die Mündung dick, um ein hohes Trägheitsmoment zu erreichen. So wackelt man weniger. Die dicke Mündung reduziert das Aufspringen des Kalibers und hat auch schwingungstechnische Vorteile. Ich habe davor noch einen "Wellenbrecher" angeordnet und dahinter die Form konisch gestaltet. Ähnlich macht es die US-Firma Shilen bei ihren neuesten Läufen.

 

Hier Technisches in Kurzform:

„Kleinkalibriges“ Gewehr aus Tikka-System mit Jagdschaft aus Holz. 

Kaliber .308 Norma Magnum. Schwingungsoptimierter Lauf. Vo ca. 850 /s. 

Geschoss 180 grains Sierra Matchking (Nr. 2220).

Schnitt von 7,5 Ringen bei 30 Schuss nach 2 Probeschüssen (Ein nicht nachvollziehbarer Nuller inbegriffen).

Übliches ZF mit 1/4 MOA pro Klick. Leicht nach vorne geneigt montiert (hinterer Ring 1 mm unterlegt). Trotzdem konnte nicht mehr Fleck angehalten werden. Es musste gut eine Scheibenhöhe höher angehalten werden. Dadurch traten Verkantungen auf und die Streuung war, zusammen mit der geringen Windeinwirkung, horizontal rund doppelt so breit wie hoch. 

 

Generell bei grossen Distanzen:    

Haupt-Problem ist die zu geringe Verstellmöglichkeit der Gläser in Verbindung mit einer Montage, die parallel zur Laufseelenachse liegt. Dadurch kann nur der halbe Verstellbereich des ZFs ausgenutzt werden, denn die Geschosse fallen immer ab und steigen nie! Meines Wissens hat nur das System von Sardec eine ZF-Schiene, die gegenüber der Laufseelenachse geneigt ist. Hochvergrössernde Glaser um 30 fach müssen da für nahe Distanzen von ca. 100 m, wo das Geschoss noch keinen merklichen Abfall zeigt, ganz nach oben gedreht werden. Erst bei 6-700 m steht das Absehen mechanisch in der Mitte und der untere Anschlag wird erst nach 1000 m erreicht. Dies ist natürlich von der Patrone abhängig. 

    

Eine GP 11 (7,5 x 55 swiss), welche die Mündung mit rund 750 m/s verlässt, wird normalerweise auf 300 m geschossen. Wird das Gewehr da auf Fleck eingeschossen, fällt das Geschoss bis 1000 m rund 14 m (!) unter die Visierlinie. 

Ein Schütze montierte ein Schmitt & Bender-Glas auf seine Grünig & Elmiger parallel zur Laufseelenachse. Pro Klick erfolgt eine Verstellung von 1/4 MOA. Dies sind 7,25 mm auf 100 m und somit 72,5 mm auf 1000 m.

Nach dem Einschiessen auf 300 m hätte er 14 000 mm / 72,5 mm korrigieren müssen. Das wären 193 Klicks!

Er hatte jedoch nur noch 120 Klicks zur Verfügung, bis zum Anschlag. Die fehlenden 73 Klicks nötigten ihn, rund 4 Meter über dem Scheibenzentrum anzuhalten. Dass damit gute Treffer zufällig wurden, dürfte klar sein.

 

Wenig beachtet wird auch die Windeinwirkung. Gegenüber der 300 m-Distanz ist sie auf 1000 m rund zehnmal so hoch. Schon bei 1 m/s Seitenwind (3,6 km/h = knappe Fussgängergeschwindigkeit) ist bei meinem Schützen mit der .308 Norma Magnum mit knapp 70 cm Versatz zu rechnen. Bei 5 m/s wird die Scheibe nicht mehr getroffen!

Da helfen nur windschnittige Geschosse mit grosser Querschnittbelastung. Den geringsten Einfluss hat die Geschoss-Spitze, die ruhig etwas rundlich oder sogar unregelmässig ausgefranst sein kann. Falsch ist somit, aus dem Vollen gedrehte Messinggeschosse mit perfekt scharfer Spitze einzusetzen. Der Luftwiderstand ist zwar geringfügig besser, die Querschnittbelastung jedoch weit geringer (Messing wiegt viel weniger als Blei).  Bei Regen werden diese Solids deutlich mehr abgebremst. Natürlich kann man dieses Gewichtsmanko durch grössere Länge ausgleichen. Dies bedingt jedoch einen kürzeren Drall, was die Lebensdauer des Laufes reduziert. Genaueres darüber ist in der Dissertation von Dr. Beat Kneubuehl unter den Masseverhältnissen zwischen Geschoss und Regentropfen nachzulesen!

 

Interessant ist auch der Einfluss der Waffenabstützung. Bewährt hat sich eine Auflage auf ledernen Sandkissen. Wichtig ist dabei, dass die Waffe den ersten halben Centimeter gleichmässig zurückläuft. Kritisch sind Zweibeinstützen, die schon bei leicht nach hinten geneigten Beinen erst die Waffe ansteigen und danach abfallen lassen. Dazu ist im Totpunkt etwas Spiel, wo alles etwas wackelt. Nach 1,5 bis 5 mm Rücklauf hat das Geschoss den Lauf verlassen. Wird hier die Waffe nur eine Bogenminute anders abgelenkt, als beim vorhergehenden Schuss, landet der Treffer auf 1 km Distanz schon 30 cm neben den vorigen Treffer. 

    

Vergessen wird vielfach die Waffenreinigung. Wer erst 20 - 30 Schuss braucht, um die Scheibenmitte zu finden, hat bei diesen schnellen Geschossen schon die ersten Ablagerungen. Deswegen schoss mein Schütze zuerst ein und reinigte dann den Lauf gründlich. Danach machte er nur noch zwei Probeschüsse, war in der Zehn und begann mit der Wertung. 

 

Wichtig bei jedem Wettkampf ist, die Ringbreite der Scheibe zu kennen und was ein Klick auf die Entfernung ausmacht. Das war in Elm vielen nicht bekannt. 

Wer nicht auf 1000 m einschiessen konnte, sollte dies vorher auf 300 m tun und mit einem zuverlässigen Aussenballistik-Programm (Kneubuehl) die Flugbahn berechnen. So kann schon vor dem ersten Schuss auf die weitere Distanz die Visierung recht genau eingestellt werden. 

Bei Rechtsdrall weicht das Geschoss zusätzlich etwas nach rechts ab. Dies macht jedoch meist nur 1-2 Klicks aus. 

Der einsetzende Regen drückte die Geschosse auch noch etwas nach unten und geringfügig nach rechts. Dies wurde von vielen nicht bemerkt. 

 

Was sehr überschätzt wurde, war der Einfluss des Schiessens nach oben. Ein Teilnehmer mit einer Sharps im Kaliber .45-120 hatte einige Wochen davor eingeschossen, indem er einige Grad nach unten schoss. Da er in Elm etwas nach oben schiessen musste, verstellte er den Diopter immer mehr nach oben, bis er schliesslich 50 mm über der alten Position lag. Dies ist auch bei dem klobigen, langsamen 45er-Geschoss weit übertrieben. Ich drehte ihm die Spindel zurück, sodass sie (bei ca. 1 m Visierlänge) ca. 2 mm über der alten Position lag. Das macht etwa eine gute Scheibenhöhe aus. Da der Schütze mit seinem Spitzkorn wegen Nebels nicht mehr "schwarz sechs", sondern den unteren Scheibenrand anvisierte, lagen die Treffer nun in der Mitte. Bei schnelleren Geschossen mit weniger Luftwiderstand ist der Einfluss noch viel geringer. In der Praxis ist er meist unwesentlich.

 


Wettkampf der Schweiz. Mittelkaliber Schützengesellschaft

29. / 30. Juli 2000 in Elm 

Rangliste (max. möglich = 300 PUNKTE)

 

A.

Sportgewehr (ohne ZF)

5 Teilnehmer

1.

Romieu, Pierre

F

240

 

 

2.

Mullot, Pierre

F

221

 

 

3.

Gmünder, Sepp

CH

212

 

 

4.

Eichelberger, Ueli

CH

197

 

 

5.

Winkler, Roland

CH

154

 

 

 

 

 

 

 

 

B.

Scharfschützengewehr (mit ZF)

57 Teilnehmer

 

1.

Kappeler, Bruno

CH

268

 

 

2.

Schilling, Ludger

D

266

 

 

3.

Bendig, Lothar

D

264

 

 

4.

Kressibucher, Peter

CH

261

 

 

5.

Pfrommer, Uwe

CH

260

 

 

?

Heid, Gerald

D

232

Silhouetten-Gewehr auf Tikka-Basis mit schwingungsopt. Lauf; .308 Norma Magnum

 

 

 

 

 

 

 

C

Leichtes .50-Gewehr

17 Teilnehmer

 

1.

Valmaggia, Giovanni

CH

238

 

 

2.

Huf, Albrecht

D

218

 

 

3.

Schmid, Peter

CH

215

 

 

4.

Grau, Ernst

CH

214

 

 

5.

Valmaggia, Ursula

CH

207

 

 

 

 

 

 

 

 

D.

Schweres .50-Gewehr

4 Teilnehmer

 

1.

Romieu, Pierre

F

218

 

 

2.

Huf, Albrecht

D

204

Rest nicht rangiert

 

 

 

 

 

 

 

Kombination aller Kategorien

 

1.

Valmaggia, Giovanni

CH

479

B+C

 

2.

Romieu, Pierre

F

458

A+D

 

3.

Huf, Albrecht

D

445

A+C+D

 

4.

Mullot, Philipp

F

442

A+B

 

5.

Valmaggia, Ursula

CH

437

B+C

 

Die beste Gruppe schoss Ludger Schilling (D) : Passe zu 5 x 10 / 3 Mouchen

Nationenwertung: Frankreich 220,20 - Schweiz 154,37 - Deutschland 147,64

 

Total: 74 Teilnehmer

 

 

Bemerkungen:

Leider gibt es keine Angaben, wer mit welchem Gewehr und welcher Munition geschossen hat. Nicht mal die Verteilung auf Kaliber oder Hersteller ist bekannt. Mir sind lediglich Gerald Heid´s leichtes Silhouetten- Gewehr mit dem schwingungsoptimierten Lauf, die Blaser Gradzug- Ausführung in 7,5 Swiss, Peter Kressibuchers 7,5 Swiss, ein Stgw. 57 mit ZF und ein Karabiner 31 mit Diopter aufgefallen. Interessant auch die beiden PGM- Konstruktionen (Ultima Ratio), welche die Gonnet- Brüder persönlich mitbrachten und ein Bullpup 50er. Natürlich schossen viele 50er von Mac Millan und die deutsche 50er Fortner mit dem ungewohnten Gradzug- Knebelverschluss war auch am Start. Sie wurde kürzlich in einer deutschsprachigen Zeitschrift beschrieben, aber ich weiss nicht mehr, wo. Der Besitzer setzte (selbstgedrehte?) Messinggeschosse ein. 

Die Sharps Rifle im Kaliber .45-120 mit Spindeldiopter war der Exot, der mit der teuren Munition leider viele Nuller schoss. Ballistisch interessant ist dabei folgendes: Die V0 kann im Bereich von 450 - 700 m/s liegen. Durch den schlechten ballistischen Koeffizienten des Flachkopf- Geschosses von 300 grs. ist die Endgeschwindigkeit bei beiden Startgeschwindigkeiten ähnlich bei rund 160 m/s. Bei der hohen Geschwindigkeit erfolgt eine schnelle Abbremsung unter die Schallgeschwindigkeit.

Das andere Extrem war eine Benchrest- Büchse in einem 6 mm-Kaliber (6 PPC?). Hier ist die Energie relativ gering und die Querschnittsbelastung des Geschosses auch nicht ideal für weite Distanzen.

Leider ist mir über die Ergebnisse all dieser interessanten Gewehre nichts bekannt.

 

Um die Problematik der zu geringen ZF-Verstellung bei grossen Distanzen aufzuzeigen, habe ich meine Gläser vermessen:

 

 (1)

(2)

(3

(4)

(5)

(6)

(7)

 

1 Klick entspricht

Total

Klicks

max. Korr. auf  100 m

 

 

 

MOA

100 m

1 Umdr.

Gewicht

Bushmaster 4x20

1/2

14,5 mm

400

290 cm

60 Kl.

175 g

Kengs 4x25 (China)

1/2

14,5 mm

120

  87 cm

50 Kl.

220 g

Tasco 4x32

1/4

7,25 mm

510

185 cm

60 Kl.

?

Tasco 6x40

1/4

 7,25 mm

420

152 cm

60 Kl.

320 g

Russ. 8x56

1

25 mm

  90

112 cm

46 Kl.

500 g

Hakko 30x56

-

1 mm

584

  29 cm

58 Kl.

750 g

Langer Augenabstand für Kurzwaffen

Hakko 2,5-7x28

1/4

7,25 mm

720

261 cm

60 Kl.

?

Bushmaster 2,5x32

1/4

7,25 mm

720

261 cm

60 Kl.

275 g

Hakko 4x32

1/4

7,25 mm

510

185 cm

60 Kl.

?

Burris 3-9 Angabe

Dito          gemessen

1/8

1/6

3,6 mm

4,8 mm

 

340

  61 cm

82 cm

85 Kl.

 

395 g

 

Spalten:

1 – ZF-Bezeichnung (Importeur)

2 – 1 Klick entspricht ....MOA (Bogenminuten).

      Eine Bogenminute entspricht 29 mm auf 100 Meter.

3 – 1 Klick entspricht ... mm auf 100 m Distanz.

4 – Anzahl der Klicks von Anschlag zu Anschlag (Vertikal-Verstellung).

5 – Klicks vom Zentrum bis unterem Anschlag(also Hälfte der Maximalverstellung) mal                      die Verschiebung der Treffpunktlage pro Klick. Ergibt den maximalen Geschossabfall, der korrigiert werden kann. 

6 – Anzahl der Klicks pro Umdrehung der Höhenschraube.

7 – Gewicht des Glases ohne Montage

 

Die meisten dieser Gläser eignen sich nicht zum Long-Range-Schiessen, deshalb bitte ich darum, mir Angaben von vorhandenen Gläsern zu machen. Wichtig ist vor allem der maximale Verstellbereich und was ein Klick ausmacht (Herstellerangabe reicht).