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EXCALIBUR SILHOUETTEN - PISTOLE

Erschienen in DWJ 3/94

TECHNISCHE DATEN

IMPULSÜBERTRAGUNG - MOMENTUM NACH GATES

 

Imperial Gun, der englische Hersteller der Paramount- Gewehre, stellte die erste Silhouetten-Pistole der Production-Disziplin mit Zylinderverschluss vor.

Ursprünglich war die "Unlimited"- Disziplin beim Metallsilhouetten- Schiessen der Tummelplatz für Pistolen mit Zylinderverschlüssen. Ende 1992 erlaubte die Weltorganisation IMSSU deren Einsatz auch in der Disziplin "Production". Dort allerdings mit reduzierten Abmessungen. Die Lauflänge darf maximal 273 mm (10 3/4 in.), die Gesamtlänge 406 mm (16 in.) und die Visierlänge 343 mm (13,5 in.) betragen. Ein Kürzen des Laufes bei vorhandenen Systemen führt kaum zum Erfolg. Um die Gesamtlänge nicht zu überschreiten, müsste der Lauf meist auf ca. 7 in. reduziert werden. Das  ist für die energiereichen Silhouetten-Patronen deutlich zu kurz.

Als erste reagierte die schweizer Entwicklungsfirma SARDEC (Swiss Acoustic Research and Development Engineering Company) auf die neuen Bestimmungen. Sie stellten die Studie einer völlig neuen Silhouetten-Pistole mit extra dafür entwickeltem Verschluss aus einer Titanlegierung vor. Doch noch schneller auf dem Markt war der normannische Konstukteur Robert E. Chombart. Seine Firma "Imperial Gun" im englischen Chobham baut Long Range Büchsen, die unter dem Namen PARAMOUNT auch hier bekannt sind. Aus deren Verschluss werden auch Pistolen fürs Schiessen über weite Distanzen mit Gewehrpatronen hergestellt. Sie sind bis zu fünf Kilo schwer und werden aufgelegt geschossen. Diese Monster speckte Robert E. Chombart zu einer handlichen Pistole für die Jagd in den USA ab. Sogenannte "Hunters Pistols" sind dort recht beliebt. Mit rund 1,5 Kilo Gewicht und 10"-Lauf behindern sie nicht im schweren Gelände und werden mit Zielfernrohr geschossen. Die Masse des schweren Paragon- Systems war durch eine Verschlusshülse aus einer Alulegierung drastisch reduziert worden. 

Fürs Silhouetten-Schiessen bot Chombart lediglich einen neu gestalteten Schaft und eine offene Visierung an. Fertig war die Silhouetten-Pistole! Geschickt nutzte er auch die neuen Regeln aus. Danach muss eine Waffe schon ein Jahr vor einem internationalen Einsatz angeboten werden. Griff und Visierung können jedoch als Zubehörteile jederzeit geändert werden. Die Excalibur war vor den neuen Regeln auf dem Markt und durfte daher schon ein halbes Jahr nach deren Inkrafttreten in der Production-Disziplin eingesetzt werden.

An den Europameisterschaften 93 in Finnland war sie dann die erste Pistole der Production- Disziplin mit Zylinderverschluss. Dominique Auprètre, der Gewinner dieser Klasse, war der erste Silhouetten-Schütze, der eine Excalibur fürs Silhouetten-Schiessen testete. Sein Exemplar war mit einem R&P-Visier bestückt. 

Die Höhen- und Seiten-Verstellung funktioniert wie bei einer Dioptervisierung. So präzise die einzelnen Klicks auch sind, ist diese Art doch sehr ungewohnt und ein Kimmenschutz dafür ist nicht erhältlich. Deshalb verwendet jetzt Imperial das bekannte BoMar-Visier mit hochklappbarem Schutz von Lansing.

Auch beim Schaft kamen Verbesserungen dazu. Statt der Punzierungam Griff mit poliertem Vorderschaft, ist jetzt der Griff poliert und der Vorderschaft punziert. Ein typisches Ergebnis aus der Praxis. An einer Silhouetten-Waffe hat ein aufgerauhter Griff nichts zu suchen. Der Rückstoss der schweren Geschosse stösst den Griff mächtig in die Hand. Fischhaut oder Punzierung wirken dabei wie Sandpapier und malträtieren den Schützen. Hier ist eine glatte Oberfläche sinnvoll. Im Gegensatz zu den Stehenddisziplinen ruht die Waffe im liegenden Silhouetten-Anschlag oben auf der Hand und muss nicht rutschfest gehalten werden. Am Vorderschaft jedoch, wird die Waffe in der Creedmore- Stellung seitlich am Unterschenkel abgestützt und muss einen Halt finden. Hier kann der Vorderschaft nicht rauh genug sein. Eine scharfe Fischhaut oder grobe Punzierung ist da gerade richtig. Deshalb ist der aktuelle Schaft der Excalibur vorne punziert und am Griff glatt. Der Konstrukteur kommt offensichtlich nicht aus der Silhouetten-Szene, ist jedoch sehr lernfähig und flexibel.

Die Excalibur ist in zwei Kalibern lieferbar: 7 Bench Rest (7BR) und 7x49 GJW (7 GJW). Robert E. Chombart zieht letztere vor und erklärte dies so: Beim Silhouetten-Schiessen ist ein hohes Kippmoment auf 200 Meter Distanz und geringe Windempfindlichkeit gefragt. Dies lässt sich nur mit einem schweren, windschlüpfigen Geschoss verwirklichen. Ideal in den 7 mm-Kalibern ist das 168 gr.(10,89g) Sierra Matchking. Sein B.C. (Ballistic Coefficient) von 0.62 ist unschlagbar. Setzt man jedoch dieses lange Projektil auf die 7 BR-Hülse, so ragt dessen Heck rund 16 mm in die Hülse. Bei einer Halslänge von 7 mm verschwendet man zuviel Pulverraum. Weiter heraussetzen lässt sich das Geschoss nicht, da es sonst am Übergangskegel ansteht. Mit dem reduzierten Volumen sind - bei normalem Druck - keine hohen Geschwindigkeiten mehr erreichbar. Da kann schon mal ein schlecht getroffener Widder stehen bleiben.

Die 7 GJW ist jedoch für dieses Geschoss entwickelt und erreicht damit um 570 m/s bei Drücken, die noch 20 % unter dem erlaubten Maximum liegen. Das Kippmoment auf 200 m liegt dabei über 1,2 (nach Gates). Damit fällt jeder Widder.

Chombarts ausführliche Erklärungen waren bei mir nicht unbedingt nötig, da ich die Patrone recht gut kenne; aber auf die Waffe war ich gespannt. Die Excalibur kann ihre britische Abstammung nicht leugnen: ein Paragon- Gewehrverschluss in einem Nussbaumschaft solide in Kunststoff gebettet. Der Abzug wurde nach vorne verlegt, sodass das Züngel nur 5 cm hinter dem vorderen Verschlussende steht. Die Alu- Verschlusshülse ist 15 cm lang und wird hinten vom Schloss um 10 % überragt. Bei der Gesamtlänge der Waffe werden die Regeln voll ausgenutzt: 406 mm. Nicht ganz so knapp liegt mit 336 mm die Visierlänge am Limit. 

 

VISIERUNG

Die Visierung ist der Schwachpunkt der meisten Production- Pistolen auf dem Markt. Meist sind die Klicks zu grob und sehr ungleichmässig. Auch ist die Wiederholgenauigkeit schlecht. Streuungen von mehreren 100 % von Klick zu Klick sind durchaus üblich! Da werden dann Feinkorrekturen im Wettkampf zum Glücksspiel.

Das BoMar-Visier der Excalibur jedoch ist über solche Zweifel erhaben. Pro Umdrehung der Höhenschraube klickt es 19 mal. Dabei verschiebt sich das Kimmenblatt um 1,1 Millimeter. Pro Klick sind dies 0,058 mm. Auf 100 Meter verschiebt ein Klick die Treffpunktlage um 17,2 mm. Dies ist für den Wettkampf ideal, zumal die gemessenen Abweichungen alle unter 10 % lagen. Auf den ersten Blick erscheint diese feine Einstellung als zu gering. Immerhin ist die Schwein- Silhouette auf 100 m 20 cm hoch und der Widder in 200 m Distanz sogar 30 cm hoch. Viele internationale Wettkämpfe werden jedoch mit einem Stechen entschieden. Da steht dann das 11 cm hohe Hühnchen oder - wie bei der EM 93 - ein Halfsize- Schwein 200 Meter vom Schützen entfernt. Deshalb sind Visierungen, die 2-3 Klicks auf diesen Shoot off- Figuren erlauben, ideal. Eine grobere Verstellung ermöglicht nur, die Treffer über oder unter das Ziel einzuregeln. Eigentlich möchte der Schütze jedoch mitten auf die Silhouette treffen.

Als optimal hat sich rund 4 cm pro Klick auf 200 Meter herausgestellt. Die Excalibur entspricht dem mit rund 3,5 cm pro Klick. Die gemessenen Ausreisser von 3 mm sind völlig belanglos und verdienen ein "sehr gut". Der Kimmenkörper wird von einem hochklappbaren Lansing-Tunnel Vor Sonne und Regen geschützt. Der Kimmenausschnitt ist 2 mm breit, bei einer Tiefe von 2,3 mm. Dazu kombinierte ich ein Korn von 2,6 mm Breite. Der fest montierte Korntunnel auf dem Lauf ist für Anschütz-Korneinsätze eingerichtet.

An Stelle des BoMar-Visiers ist auch ein Anschütz lieferbar. Dessen Höhenschraube ist mit Merkziffern versehen und pro Klick verschiebt sich die Treffpunktlage um 4,4 cm. Welches der beiden Visiere benutzt wird, ist sicher Ansichtssache.

Ein zweiter Problempunkt bei Silhouetten- Waffen ist der Abzug. Er muss trocken auslösen und anschliessend nicht durchfallen. Als Auslösegewicht ziehen viele Werte um 500 g vor. In die Excalibur wird ein Abzug eingebaut, der ohne Vorzug, ganz trocken auslöst. Nachdem er deutlich über 1 kg benötigte, regulierte ihn der Konstrukteur auf rund 300 g ein. Mir war die Geschichte zu unsicher, da er sich schon mal beim schnellen Schliessen der Kammer entspannte. Ich versuchte ihn selber wieder höher einzuregeln. Dies artet jedoch zu einer Sisyphus- Arbeit mit vorsichtigem Verdrehen und Kontern einer Schraube aus. Schlussendlich erreichte ich rund 800 g als günstigen Kompromiss. Allerdings gelang es mir nicht, diese konstant zu halten. Nach ausgiebigem Training lag der Widerstand wieder höher. Mit geschicktem Tuning lässt sich da sicher noch etwas herausholen; schliesslich erlauben dies die Regeln. Das Abzugszüngel lässt sich in Längsrichtung um 8 mm verschieben. Das Abzugsmaß ist somit von 64-72 mm einstellbar. Für mich ist die Mitte gerade richtig.

Der Griff ist für mittelgrosse Hände ideal. In der Creedmore- Stellung liegt er mir wie angegossen. Das polierte Nussbaum stützt sich grossflächig an der Hand ab, sodass kräftige Rückstösse bis 18 Joules, wie sie beim Silhouetten- Schiessen auftreten, nicht unangenehm werden. Der integrierte Abzugsbügel ist genügend weit, um schmerzhaften Kontakt des Zeigefingers zu vermeiden. Der Mittelfinger hingegen wird vom Bügelende schon mal angestossen; ein Effekt, dem die Revolverschützen - speziell beim Casull - durch ein Heftpflaster vor dem Wettkampf, begegnen.

Die Verarbeitung des Schaftes ist bei beiden getesteten Waffen sehr schön und die Kunststoff-Bettung perfekt, wie von Gewehrspezialisten gewohnt.

Der Zündweg ist mit 2,8 mm extrem kurz. Dies wird mit einem Paket Tellerfedern realisiert, die hohe Kraft bei kleinem Weg abgeben. Übertragen wird die Zündenergie von einem fliegenden Schlagbolzen. Beim Zündweg scheiden sich die Geister. Die Befürworter sagen: "Je kürzer, desto besser und schneller". "Lieber eine sanfte Beschleunigung des Bolzens, als ein kurzer , heftiger Schlag", sagen die Andern. Im gesamten Schussablauf - vom Auslösen des Abzuges, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat - spielt der Zündbolzenweg jedoch keine so grosse Rolle.

Vorgespannt wird mit einem 5 mm Innensechskant, der gleichzeitig das Schloss hinten abdichtet. Der Verriegelungskopf dreht in der feststehenden Schlosshülse in einem dichten Wälzlager. Auch der Auswerfer ist fliegend und wird kurz vor dem hinteren Schlossanschlag vom Schlosshalter betätigt. So kann der Schütze wählen, ob die Patronenhülsen mit Schwung oder ganz kurz ausgeworfen werden.

 

HANDHABUNG

Auf den ersten Blick erscheint das Auswurffenster für die 7 BR oder die noch längere 7GJW als zu kurz. Vom Verschlusskopf bis zum vorderen Fensterbogen ist die Öffnung nur 53 mm lang, bei  12,7 mm Breite. Trotzdem gehen die Patronen, mit der Spitze schräg eingeführt, recht einfach ins Lager. Ausgeworfen werden allerdings nur abgeschossene Hülsen. Zum Entfernen ganzer Patronen muss das Schloss hinten herausgezogen werden. Mit einem Druck auf die Halteklinke geht dies jedoch schnell - auch im Wettkampf.

Der Kammerstengel ist rechts angeordnet. Dies ist bei Silhouetten-Pistolen der Unlimited- Disziplin schon seit langem die Norm. Links stört das herausragende Teil ganz beträchtlich, nicht nur die Anlage am Körper, sondern beim Rückstossimpuls von rund 8 Ns, der hier mit 4,5 m/s erfolgt. Locker gehalten kommt die Excalibur horizontal zurück, stützt sich grossflächig in der Hand ab und steigt dann fast bis zur Senkrechten hoch. Mit bandagiertem Mittelfinger eine angenehm schiessende Waffe. Zum guten Schiessgefühl trägt auch die klare Visierung mit Kimmen- und Korntunnel bei. Da treten keine unangenehmen Schatten auf. Noch wichtiger ist der Trainingsaspekt: Grosse Wettkämpfe, wie Europa- oder Bundes-Meisterschaften werden aus gedeckten Ständen geschossen. Im Training oder bei kleinen Wettkämpfen liegt man im Freien. So gerne ich dort schiesse, die Visiereinstellung ist nicht vergleichbar. Bei Regen, Schnee und Sonne im Visier lässt sich keine Einstellung für grosse Wettkämpfe finden. Ein guter Kimmen- und Kornschutz hilft da viel, und den hat die Excalibur.

Ein weiteres wichtiges Detail ist der Zwangsauszug der Patronenhülse über eine Steuerkurve am Schlosskopf. Zwei der vier Verschlusswarzen werden auf den letzten zehn Grad des 50 Grad Öffnungswinkels um 2 mm nach hinten gedrückt. Dadurch werden auch festsitzende Hülsen vom Lager gelöst und ohne Kraftaufwand ausgeworfen. Im Wettkampf ist dies ein entscheidender Vorteil. Silhouetten-Ladungen gelten nicht gerade als sanft und lidern durch den hohen Gasdruck kräftig. Festsitzende Hülsen brauchen Zeit und Kraft - nicht gerade ideal für entspanntes Schiessen.

 

LABORIERUNGEN

Für beide Testwaffen versuchte ich, eine ideal abgestimmte Ladung zu finden. Ideal ist, die Patronenlänge so abzustimmen, dass das Geschoss fast am Übergangskegel anliegt. Vorsichtige Leute haben Bedenken, da sich der Auszugswiderstand des Geschosses aus dem Patronenhals und die Einpresskraft in die Lauffelder addieren. Dies ist bei den 7 mm Silhouetten-Patronen unbegründet. Hier wird der Patronenhals nur soweit kalibriert und das Geschoss nicht gecrimpt, dass der Ausziehwiderstand bei 20 kg liegt. Der Einpresswiderstand liegt rund zehnmal höher. Auch hat das Geschoss die 3-5 mm Halsführung schon hinter sich, bevor der flache Laufkonus dem Geschoss seinen höchsten Widerstand entgegensetzt. Bei der 7GJW erreicht der Innendruck der Patrone sein Maximum erst, wenn das Geschoss schon 30 mm Weg hinter sich hat. Schon 0,1 Millisekunde später durchstösst es die Schallmauer und tritt 0,55 Millisekunden später mit 570 m/s aus dem Lauf der Excalibur.

Für die 7 BR versuchte ich die Pulver Reloader 7 und 12, R 902 und Kemira N 135. Mit dem 150 gr. Matchking von Sierra ist die maximale Patronenlänge (L6) 56 mm. Amtliche CIP-Daten existieren über die 7BR nicht, da sie immer noch eine Wildcat ist. Als gleichmässigste Ladung stellte sich 26,5 gr. Kemira N 135 hinter dem 150 gr. Matchking heraus. Damit liegt der Druck bei 3300 bar und die Geschwindigkeit bei 570 m/s.

Die 7 GJW ist mit 4000 bar zugelassen. Als Geschoss ist das 168 gr. Sierra (Nr.1930) Standard. Mit 27,5 gr. N 135 beträgt die Anfangsgeschwindigkeit aus der Excalibur ebenfalls 570 m/s. Gezündet wurde generell mit Remington 7 1/2. Im Gegensatz zu der bekanntesten Unlimited-Waffe, der Remington XP-100, ist der kurze, gedrungene Lauf schwingungstechnisch unkritisch. Änderungen der Pulvermasse führen bei beiden Patronen zu keinen signifikanten Vergrösserungen der Schussbilder.

 

TREFFERLEISTUNG

Mit der 7 GJW erreichte ich geringfügig engere Streukreise als mit der 7BR. Die Unterschiede sind jedoch recht gering und ich glaube nicht, dass dies patronentypisch ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Thuner Hülsen der 7 GJW wesentlich gleichmässiger sind, als meine 7 BR von Remington.

Die Präzisionsprüfung wurde mit einem 6-fachen Gewehr-ZF vorgenommen. Bohrungen für eine aufschraubbare Weaver- Schiene sind vorhanden. Leider muss zur ZF-Montage das offene Visier demontiert werden. Da die Wiederholgenauigkeit natürlich nicht im Hundertstelmillimeter-Bereich liegt, muss danach neu eingeschossen werden.

Auf 100 m Distanz erreichte ich 10er Schussgruppen um 40 Millimeter. Dies entspricht rund 1,4 Bogenminuten. Die 5er Schussgruppen lagen noch unter einer Bogenminute. Gegen Ende der Versuche traten Höhenstreuungen auf, die jedoch im Wettkampf nicht vorkommen. Der Grund: Nach rund 60 Schüssen erreichte der Lauf eine Temperatur von 60 C. Liegt jetzt eine Patrone länger als die anderen im heissen Patronenlager, weil der Schütze ermüdet und beim Zielen kurz absetzt, wird das Pulver aufgeheizt. Ein heisses Pulver jedoch benötigt weniger Eigenenergie zum Erreichen der Zündtemperatur. Diese Differenz ergibt einen höheren Gasdruck. Die V0 steigt, die Flugbahn wird flacher, und das Geschoss schlägt höher ein. Dieser Effekt konnte am Schluss bewusst in ca. 5 cm Hochschuss umgesetzt werden. Im Wettkampf jedoch werden nur 5 Schüsse hintereinander abgegeben und danach die Figuren wieder aufgestellt. In diesen 5 Minuten Pause kühlt der Lauf genügend aus.

Die beste Schussgruppe mit 13 x15 mm ist zwar sensationell, aber sicher nicht aussagekräftig; die schlechteste Gruppe mit 48 mm Seiten- und 67 mm Höhenstreuung ist genausowenig typisch. Schon mit einem Schuss weniger reduziert sich die Höhe auf 46 mm. Eine ballistische Trefferauswertung zeigt, dass die 50 % -Streuung dieser schlechtesten Gruppe bei 16 x 28 mm liegt; die Standardabweichung bei lediglich 12 x 21 mm. Interessant ist die Streuung aller abgegebenen Schsse: Bei 88 Schüssen liegt die Gesamtstreuung bei  27 x 42 Millimeter. Diese Schussleistung entspricht einem guten Gewehr; für eine Pistole mit 10 3/4 Zoll Lauf ist das Ergebnis ausgezeichnet!

Nach den Feldversuchen in Andermatt nahm ich die Excalibur im Swiss Team an die Europameisterschaft nach Finnland. Auf dem schwierigen Stand von Nummi-Pusula mit 13 Meter Höhendifferenz hatte ich so meine Probleme. Schliesslich musste ich zum Stechen um den 3. Platz der A-Klasse antreten. Mit mir hatten noch zwei Finnen gleichviele Treffer erreicht. Gleichzeitig schossen je ein Schütze aus Deutschland, Frankreich und Norwegen um den Europameistertitel der Production-Klasse. Dazu wurden die Halfsize-Schweinchen der Feldpistolen-Disziplin auf 200 Meter gestellt. Diese haben eine Körperhöhe von lediglich 11,5 cm. Dominique Auprtre gewann den Titel mit 5 Treffern vor Wulf Post mit 3 und Cato Berntsen mit einem Treffer. Jetzt zeigte die Excalibur, dass sie ihren Namen zu Recht trägt: Mit meinem Spotter Rainer Bergfeld, der mich perfekt einwies, traf ich 6 Schweinchen; mehr als der Europameister.

 

PATRONENWAHL

Die Excalibur wird in zwei Kalibern gebaut. Beim Training im belgischen Leopoldsburg, im elsässischen Ingwiller und im schweizerischen Andermatt probierte ich beide aus. Die kurze, gedrungene 7 BR lässt sich etwas besser laden als die längere, schlanke 7 GJW. Trotzdem zog ich für den Wettkampf letztere vor. Die Gründe lagen nicht bei den geringfügig besseren Trefferbilder, sondern bei der besseren Aussenballistik. Genaueren Aufschluss gibt die Vergleichs-Tabelle, der ich die Daten der 7 TCU angefügt habe.

Diese bekannteste Patrone der Silhouetten-Szene wird schon seit den Anfängen dieser Sportart eingesetzt. Mit einem 150 gr.-Geschoss erreicht sie aus einem 10"-Lauf rund 520 m/s. Eine höhere Anfangsgeschwindigkeit ist nur mit exzessivem Gasdruck zu erreichen.

Die 7 BR verwendet das gleiche Sierra Matchking Geschoss und erreicht bei einem Maximaldruck (Kupferstauchmethode) von 3300 bar eine V0 von 570 m/s. Dies wird mit 26,5 grains Kemira N 135 erreicht. Die gleiche Geschwindigkeit - bei identischem Druck - erreicht die 7 GJW mit einem 168 gr.- Geschoss desselben Typs. Die Pulverladung liegt um 1 gr. höher. Die französischen Silhouetter, die in ihrem Land nur nationales Pulver verwenden dürfen, verwenden Vectan SP 10. 28 gr. davon ergeben gleichen Druck und Geschwindigkeit - und dies sehr konstant, wie die DEVA festgestellt hat.

Interessant sind die ballistischen Zusammenhänge. Als Referenz habe ich die 7 BR ausgewählt. Die 7 TCU ist ihr energiemässig unterlegen. Obwohl sie den selben prozentualen Energieabfall auf die Distanz aufweist, erreicht sie - durch ihre geringere V0 - nur 82 % der 7 BR-Energie, unabhängig von der Distanz. Die 7 GJW liegt schon vor dem Lauf 12 % besser als die 7 BR und baut den Vorsprung nach 200 m auf 18 % und nach 300 m sogar auf 22 % mehr Energie aus.

Daran ist der geringere Luftwiderstand und die höhere Querschnittbelastung schuld. Bei Seitenwind spielt die 7 GJW ihre grosse Stärke aus. Bläst der Wind mit 10 m/s (36 km/h), rund 90 Grad zur Schussrichtung, so wird sie 22 % weniger als die 7 BR und sogar 39 % weniger als die 7 TCU abgetrieben.

Die 7 BR überträgt einen genügend hohen Impuls, um einen korrekt stehenden Widder auf 200 Meter zu fällen. Die 7 TCU schafft es nicht immer, wie die Wettkampferfahrungen zeigen. Ihr Kippmoment liegt schliesslich 10 % niedriger. Auch für schlechtstehende Widder hat die 7 GJW  Energiereserven. Ihr Momentum liegt rund 17 %  über der 7 BR; bei gleichem Gasdruck. Interessant daran ist der Rückstoss. Er liegt nicht etwa auch 17 % höher, sondern nur 12 %!

Mit geringfügig höherem Rückstoss bringt die 7 GJW in der Excalibur deutlich geringere Windempfindlichkeit als die 7 BR und fällt den Widder sicher. Die Hülsen aus Thuner Fertigung sind gut erhältlich und hochpräzise gefertigt.

 

ZUSAMMENFASSUNG

Die Excalibur ist die erste käufliche Silhouetten-Pistole der Production- Klasse mit Zylinderverschluss. Im Wettkampf hat sie bewiesen, dass die Schussleistung hervorragend ist. Speziell mit der Patrone 7 GJW ist sie kaum windempfindlich und fällt jeden getroffenen Widder. Auch die Visierung ist entsprechend. Abzug und Ladehandhabung erfordern etwas Übung. Der Preis ist jedoch so interessant, dass auch noch etwas Trigger-Tuning drinliegt.

 

TECHNISCHE DATEN

TOP

 Hersteller

Imperial Gun Works, 1E Threshold Way, Fairoaks
Airport, GB-Chobham/Surrey, GU24 8HU

 Konstrukteur

Robert E. Chombart, "La Hardrue", Aubry-en-Exmes
F-61160 TRUN

 Vertrieb
Schützen Böhme, Mühlenstr.6-8, D-31737 Rinteln
 Art

Silhouetten-Pistole der Production-Disziplin,
Einzellader mit Zylinderverschluss.

 Kaliber

7 mm Bench Rest (7 BR) oder 7x49 GJW (7 GJW)

 Lauf

stainless 273 mm (10 3/4 in.), 6 Züge, Rechtsdrall,
Durchm. hinten 29 mm, vorne 16 mm.
Zuglänge 9 in. oder 7 in., Hersteller Border, England.

 Visier

Korntunnel für Anschütz-Einsätze
Visierlinie 336 mm lang, 27 mm über Laufseelenachse
verstellbare Kimme von Bomar oder Anschütz,
hochklappbarer Kimmentunnel von Lansing.

 Abzug
Direktabzug, intern verstellbar ab 500 g.
 Abzugsmaß
64-72 mm, einstellbar.
 Griff
Nussbaum, glattpoliert, mit integriertem Abzugsschutz; Vorderschaft rund und punziert
 Maße
406 mm lang, 60 mm breit, 190 mm hoch
 Gewicht

System mit Lauf und Visier 1057 g, Schrauben 15 g,
Schloss 314 g, Schaft inkl. Bettung 357 g.
Gesamtgewicht 1743 g.

 Preis
DM 2200.-

 

Streuung auf 100 m Distanz

Excalibur mit 6-fach ZF, aufgelegt auf Sandsack

Nr.  horizontal
   x (mm)
vertikal
y (mm)
hor.+ vert.
x+y (mm)
Schnitt Schüsse
1 15 20 35 18 5
2 15 13 28 14 5
3 13 49 62 31 5
4 25 28 53 27 6
5 26 40 66 33 7
6 42 40 82 41 10
7 35 55 90 45 10
8 15 44 59 30 10
9 24 50 74 37 10
10 26 60 85 43 10
11 48 67 115 58 10
Ø 26 42 67 34 88

 

  7 TCU 7 BR 7 GJW
Geschoss-Gewicht 150 gr. 150 gr. 168 gr.
B.C.-Wert 0,51 0,51 0,62
V0 520 m/s 570 m/s 570 m/s
CW-Wert 0,337 0,325 0,300
Querschn.-Belastung 245 kg/qm 245 kg/qm 275 kg/qm

Windversatz bei 10 m/s auf 200  m

32 cm 28 cm 23 cm
Rückstoss-Differenz - 9 % Referenz + 12 %
Anfangs-Energie 1314 J 1579 J 1769 J
200 m-Energie 945 J 1149 J 1362 J

200 m-Momentum nach E.T. Gates

0,96 1,06 1,23

Ballistische Daten der beiden Excalibur-Kaliber 7 BR und 7 GJW, mit der bekanntesten Silhouetten-Patrone 7 TCU als Vergleich

 

IMPULSBERTRAGUNG - MOMENTUM NACH GATES

TOP

Elgin T. Gates, Gründer und erster Präsident der IHMSA
(International Handgun Metallic Silhouette Association), berechnete empirisch den Impuls, den ein Geschoss auf den Widder
übertragen muss, um ihn umzuwerfen

Hier seine Klassifizierung:

Momentum:
0,75-0,95  =  Widder fällt nur bei guten Treffern.
1  =   Widder fällt in der Regel, sofern er korrekt steht und kein starker Gegenwind ihn nach vorne drückt.
ab 1,2 =  fällt der Widder auch bei tiefen Treffern und kräftigem Gegenwind

 

Berechnung:

M = Geschossgewicht x Auftreff-Geschwindigkeit x Faktor 1 in den Einheiten:
M = grains x  m/s  x  0,0000146

Beispiel 1 :
Geschossmasse = 150 gr.
Auftreffgeschwindigkeit V200 = 485 m/s
M = 150 x 485 x 0,0000146 = 1,06

Da die Auftreffgeschwindigkeit des Geschosses meist nicht bekannt ist, kann diese näherungsweise aus dem B.C.-Wert (ballistic coefficient) bestimmt werden. Dieser wird meist von den Geschossherstellern in den Wiederladebücher publiziert.

B.C.-Wert   0,1 0,15 0.2 0,3 0,4 0,5 0,6
2. Faktor   0,41 0,55 0,65 0,75 0,80 0,84 0,87

Anstelle der V200 wird jetzt die V0 eingesetzt und mit diesem Faktor multipliziert:

M = grains x V0 x 2.Faktor x 0,0000146

 

Beispiel 2:
Geschossmasse = 150 gr.
Anfangsgeschwindigkeit V0 = 570 m/s
B.C. = 0.51

M = 150 x 570 x 0,84 x 0,0000146 = 1,05

Der Unterschied zum ersten Beispiel mit der korrekten Auftreffgeschwindigkeit ergibt einen Fehler von weniger als 1 % ! Somit kann diese Näherungsformel in der Praxis eingesetzt werden.

 

Bildzeilen:

DIAGRAMME:

  1. Windabdrift der Geschosse auf 200 Meter Distanz bei 10 m/s Seitenwind 90 Grad zur Geschossbahn. Alle drei Patronen bei Innendruck von 3300 bar effektiv (Kupferstauchmethode).

  2. Impulsbertragung auf die Silhouetten-Distanzen mit der Excalibur in beiden Laborierungen. Die 7 TCU als Vergleich.

  3. Geschwindigkeitsabfall und Momentum der Sierra Matchking- Geschosse mit 150 grains und 168 grains Masse bei identischer V0 von 570 m/s aus dem 10 3/4 Excalibur-Lauf.

  4. Die Höhenverstellung des BoMar-Visiers der Excalibur bezogen auf das Shoot off Hühnchen in 200 m Distanz.

  5. Die Excalibur wird für zwei unterschiedliche Patronen gebaut: Die 56 mm kurze, gedrungene 7 BR und die 75 mm lange, schlanke 7GJW.

  6. Druck und Anfangsgeschwindigkeit der 7 GJW im 273 mm Production-Lauf, sowie aus dem 381 mm Lauf einer Unlimited. Hülsen aus Thuner Fertigung; Zünder small rifle von Winchester.

  7. Trefferbilder mit der Excalibur auf 100 m Distanz.

 

DIAS:

Nr. 3  Die Excalibur zerlegt.
Nr. 6  Verschlusskopf mit 4 Verriegelungswarzen, Auszieher und fliegendem Auswerferstift.
Nr.11  Das R&P- Visier der Version in Kaliber 7 BR.
Nr.12  Der Verschlusskopf gibt das Ladefenster nicht ganz frei; die Patronenhülse wird trotzdem ausgeworfen. Das Abzugszüngel wird über einen Extender nach vorne verlegt.
Nr.17 & 18  Die Excalibur ist im Kaliber 7 BR und 7 GJW erhältlich.
Nr.21  Die BoMar-Visierung mit dem hochklappbaren Kimmentunnel von Lansing.
Nr.22  Der Korntunnel nimmt Anschtz Korneinsätze auf.
Nr.35  Die kurze 7 BR lässt sich leichter laden als die 7 GJW. Zum Entladen muss bei beiden das Schloss entfernt werden.
Nr.36 & 37  Die gedrungene 7 BR neben der schlanken 7 GJW

 

DATEN ZU DEN DIAGRAMMEN ( FÜR DIE GRAFIK)
zu 1. Windabdrift:

  50 m 100 m 150 m 200 m
7 TCU (schwarz)   1,8 7,8 18,3 32,0
7 BR  (blau) 1,7 7,0 15,6 28,1
7 GJW (rot) 1,6 5,6 12,7 23,0

 

zu 2. Impulsbertragung (Momentum):

  0 m 150 m 200 m
7 TCU (schwarz)   1,14 1,02 --
7 BR  (blau) 1,25   1,06
7 GJW (rot) 1,40   1,23

 

zu 3. Geschwindigkeitsabfall:

  0 m 100 m 200 m 300 m
168 gr. (rot) 570 534 500 486
150 gr. (blau) 570 526 486 449

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