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Metallsilhouetten-Pistole Loppo Production

Erschienen in DWJ 8/95

Technische Daten

Metallsilhouetten-Pistolen müssen fast so treffsicher wie gute Gewehre sein. Beim "shoot off" werden nicht selten Ziele von 15 cm Höhe auf 200 Meter Distanz gestellt. Die sind dann über eine offene Visierung zu treffen. Unser Test gilt diesmal einem seltenen Exemplar, der Pistole des Vice-Weltmeisters 1994 in der Serienwaffen- Disziplin Grosskaliber, Esko Lempola

 

von I. Gärtner und G.J. Wasser

Neben Frankreich, stellt Finnland das grösste und erfolgreichste Kontingent an Metallsilhouetten-Schützen. In der Szene ist der finnische Büchsenmacher Asesepp" M. Lopponen aus Savonlinna schon seit langem für seine Zylinderverschluss- Pistolen bekannt. Früher schoss er selber manchen Wettkampf damit in der "Unlimited"- Klasse und wirbelte mit den futuristisch anmutenden Mündungsbremsen viel Staub auf. 

1992 erlaubte der Weltverband IMSSU auch bei den Serienwaffen Zylinderverschlüsse. An der Europameisterschaft 93 im finnischen Nummi- Pusula wurde mit einer Excalibur des Normannen Robert G. Chombart im Kaliber 7 GJW das höchste Ergebnis im Stechen erzielt. Lopponen schaute sich die Waffe sehr genau an und stellte kurz darauf eine eigene Serienwaffe vor. Ähnlich wie Chombart seine Jagdpistole für den US-Markt mit einem anderen Griff und offener Visierung den Silhouetten-Bestimmungen angeglichen hatte, benutzte Lopponen seine Unlimited- Waffe und reduzierte Lauf und Visierlänge. 

Aus Kostengrnden basiert die Serienwaffe "Loppo Production" nicht auf der 1993 vorgestellten - wunderschönen, jedoch sehr teuren - "Loppo Super 2000" im Kaliber .308 Winchester. Die Basis ist vielmehr das Tikka Minisystem, das er schon länger verwendet.

Bekannt wurde diese Waffe in Mitteleuropa, als der Finne Esko Lempola aus Kangasala an der Weltmeisterschaft letzten Sommer im französischen Grasse den Viceweltmeister- Titel errang. Das Kaliber 7 GJW (korrekt nach CIP: 7x49 GJW) machte er dafür verantwortlich, dass er trotz Windböen das beste Ergebnis seiner Laufbahn schoss. Diese These vertrat er dann im finnischen "Ase & Erä" Magazin zum Erstaunen von Lopponen, der seine Pistole auch gerne in den Kalibern .30x39, 7 BR und 7 TCU verkauft hätte.

Im deutschsprachigen Raum sind vor allem die finnischen Zylinderverschlüsse von Sako bekannt. Auffallend sind die konischen Schienen an der Hülsen- Oberseite, die spezielle ZF-Montagen verlangen. Die weniger bekannten Tikka- Systeme benutzen die gleiche Schiene; Sako und Tikka gehören zum selben Konzern. Die Loppo ist die zweite Silhouetten- Pistole der Production- Klasse mit Zylinderverschluss und verwendet - im Gegensatz zur Excalibur - einen serienmässigen Büchsenverschluss. Da Lopponen nicht die Freiheiten eines Chombart bei der Verschlusskonstruktion hatte, musste er sich einige Tricks einfallen lassen.

Büchsenverschlüsse haben den Abzug weit hinten. Baut man den Schaft darauf auf, wird die Gesamtlänge zu gross, oder der Lauf muss drastisch gekürzt werden. Dies wurde bei der ersten Anschütz- Production (Kleinkaliber) sichtbar, deren Lauf auf unter 6 Zoll gekürzt werden musste, obwohl 10 3/4 Zoll erlaubt waren.

Also setzte Lopponen den Abzug weiter nach vorne. Da war er cleverer als grosse Firmen. Remington hatte ihm vorgemacht, wie man's nicht macht: da wurde das Abzugszüngel lediglich mit einer Stange nach vorne verlegt und der Griff um den Originalabzug herumkonstruiert. Die Pistole verstiess in zwei wesentlichen Punkten gegen die Regeln und die Produktion wurde eingestellt. So haben Besitzer des 94er Remington-Kataloges ein Kuriosum im Schrank: Fotos und Daten einer Sportwaffe, speziell für eine Disziplin konstruiert, in der sie nicht eingesetzt werden darf. Und das von einem der grössten Hersteller von Jagd- und Sportwaffen!

Lopponen baute unter die Tikka- Systemhülse ein flaches Abzugteil, lenkte die Kraft um auf eine Stange und befestigte den eigentlichen Abzug mitten unter der Hülse (Bild 1). Eine zwar aufwendige, jedoch trickreiche Konstruktion, um wenig Lauflänge zu opfern.

Wie in der Detailaufnahme deutlich zu sehen, wird die eigentliche Verschlusshülse hinten deutlich von der Schaftbefestigung überragt. Dieser Schwanz ist genauso lang wie Laufbefestigung und  Verriegelung; eine Herausforderung für den Konstrukteur, der mit jedem Millimeter zu kämpfen hat. Laut Regeln darf der Lauf 273 mm (10 3/4 in.) lang sein, die Gesamtlänge jedoch höchstens 406 mm (16 in.) betragen. Unter diesem engen Korsett schliesst der Schaft der Loppo praktisch mit der Hülsenbefestigung hinten ab. Bei einer Gesamtlänge des Verschlusses von 185 mm und einem hinteren Abschluss von 3 mm ragt der Lauf 217 mm über die  Verschlusshülse heraus. Damit ist die Loppo grad einen Millimeter kürzer als die Regeln maximal erlauben. Die eigentliche Lauflänge - gemessen bis zum Stossboden - ist 240 mm (9.4 in.); 33 mm kürzer als erlaubt. Dies ist eben die Konzession an einen fertigen Büchsenverschluss, der unter ganz anderen Prämissen als für eine Silhouetten-Pistole konstruiert wurde.

Mit diesen Einschränkungen kämpfte Lopponen auch bei der Visierung. Auf der 42 mm kurzen hinteren Hülsenbrücke ist zu wenig Platz für das 54 mm lange BoMar- Visier. Da nun mal kein präziseres Silhouetten- Visier erhältlich war, montierte er es trotzdem - vorne bündig, um die Lademulde nicht einzuengen. Hinten ragt es nun 12 mm über die Brücke, aber dies stört nicht. Nicht ganz so glücklich ist der Kimmenschutz von Lansing, dessen Befestigung 7 mm über den Ladeschacht ragt. 

Als Frontvisier ist der altbekannte Korntunnel von Lansing montiert. Das in Breite und Höhe verstellbare Korn sitzt 33 mm hinter der Mündung, sodass eine Visierlänge von 339 mm resultiert. Damit sind die maximal erlaubten 342 mm bis auf ein knappes Prozent ausgenutzt!

Der Schaft besteht aus wunderschönem, rot eingefärbtem Schichtholz. Die Verarbeitung ist exzellent und ich verstehe jeden Besitzer dieser eleganten Pistole, der sie nie aus der Hand gibt, um jeden noch so kleinen Kratzer zu vermeiden (Nicht war, Rainer)! Alle Oberflächen sind mattglänzend poliert. Bei den kräftigen Rückstössen einer Silhouetten- Pistole wäre eine Aufrauhung am Griff recht schmerzhaft. Die Ergonomie dieser Griffe hat kaum mehr etwas mit der üblicher Sportpistolen zu tun: die Abstützung erfolgt auf dem Handrücken und im Rückstoss rollt die Waffe in der Hand. Wünschenswert ist allerdings etwas Rauhigkeit am Vorderschaft, denn obwohl ich einen flachen Beinwinkel anschlage, rutschte mir die stark vorderlastige Waffe im Creedmore- Anschlag schon mal vom Unterschenkel ab (Bild 2).

Innen ist der Schaft sauber ausgefräst und das System auf Kunststoff gebettet. An den beiden Befestigungspunkten sind zusätzlich Alubuchsen eingelassen. Vorne besteht die Abstützung aus einer Rückstoss- Schulter, die von einer Imbusschraube von unten in den Schaft gezogen wird. Hinten erfolgt die Verschraubung von oben in einem Aluquerbolzen. Nicht nur das System ist gebettet; auch der birnenförmige Teil des Laufes liegt im Schaft an. Durch geschickte Formgebung wiegt der gesamte Schaft mit Bettung nur 375 g, obwohl das harte, zähe Material schwerer als Holz ist.

System, Lauf und Visier dominieren mit 1130 g und das Schloss allein wiegt 225 g. Komplett montiert ist die Loppa Production 1740 g schwer, gerade mal 4 % unter dem Limit.

Auf dem Schiessplatz wunderte ich mich über den fehlenden gefederten Auszieher. Esko Lempola schiesst lieber ohne, da er sonst Präzisionseinbussen befürchtet. Ich konnte dies nicht überprüfen, da er nun mal fehlte und musste somit jede abgeschossene Patronenhülse von Hand aus der Lademulde holen. Da ich Auswerfer (wenn auch keine gefederten) gewohnt bin, war es etwas umständlich, aber man kann damit leben. Schwieriger war da der millimetergenau am Kimmenschutz vorbeigleitende Kammerstengel. Da kann schon mal ein Finger dazwischengeraten, vor allem, da der Kimmenschutz keinen vertikalen Anschlag hat und im Wettkampf seine Position ändert.

Dies ist nicht Herr Lopponen anzulasten; es fehlt ganz einfach ein kurz gebautes, präzises Silhouetten- Visier mit integriertem Kimmenschutz auf dem Markt. Vorne könnte man dann einen Anschütz-Korntunnel montieren. Die Variante von Lansing ist nicht optimal: Nach Demontage des Tunnels kann durch Verdrehen des Kornes dessen Breite zwar variiert werden. Da dies jedoch über eine Schraube passiert, nur bei gleichzeitiger Änderung der Höhe. Bei wechselnder Helligkeit im Wettkampf ist dies unmöglich. Anschütz- Korneinsätze können jedoch in Sekunden gewechselt werden, ohne dass die Treffer in der Höhe wandern.

Der Abzug löst sauber bei 600 g aus. Andere Einstellungen sind zwar möglich, aber ich halte diese Kraft für optimal und wollte Esko's Einstellung nicht unnötig verdrehen. Meine Bedenken, dass die mehrfachen Umlenkungen der Abzugskraft auf Kosten der Präzision gehen, bewahrheiteten sich bei meinen rund hundert Schüssen nicht.

Mit 28 grains Kemira N 135 in der Thuner Originalhülse und Winchester SR Zündhütchen erreicht das 168 gr. Matchking Geschoss von Sierra 555 m/s mit weniger als +/-0,5 % Geschwindigkeitsabweichung. Der effektive Druck liegt dabei mit 3400 bar noch 15% unter dem Limit. So lassen sich die kostbaren Hülsen gut 30 mal ohne Qualitätseinbussen wiederladen. Wenn auch die Geschwindigkeit noch 20 m/s unter den Möglichkeiten eines 10 3/4 Zoll-Laufes liegt, reicht es doch immer, auch ungünstig stehende Widder sicher zu fällen. Die Position des 200 m-Zieles ist zwar in den Regeln definiert, aber ein tiefer Treffer bei Gegenwind führt bei leichteren Geschossen zu einem freundlichen Nicken des Widders, ohne ihn umzuwerfen.

Das benutzte Geschoss gilt als Standard in der 7 GJW-Patrone. Sein B.C. (ballistic coefficient) von 0,62 wird von keinem anderen herkömmlichen Geschoss erreicht und führt zu einer flachen Schussbahn, die auch von starkem Wind kaum beeinflusst wird.

Hülsen mit weniger Innenvolumen führen bei diesem Geschoss zu überhöhtem Druck oder geringerer Geschwindigkeit. Die 7 BR hat in dieser Konstruktion noch einen weiteren Nachteil. Durch den grösseren Bodendurchmesser bleibt am Verschlusskopf nur noch ein 1 mm dünner Rand. Durchbläsern hat dieser nicht mehr viel entgegenzusetzen und der heisse Gasstrahl jagt durch die Entlastungsbohrungen der Verschlusshülse. Unglücklicherweise sind diese horizontal angeordnet. Für ein Gewehr ist die sicher sinnvoll, bei einer Silhouetten- Pistole ist dort links der Oberschenkel des Schützen und rechts der Nachbarschütze.

Bei der schlanken 7 GJW mit ihrem niedrigen Druck sehe ich jedoch kein Problem. Beim Wettkampf zeigte schon die Visiereinstellung die flache Flugbahn. Die Ziele auf 50 und 100 Meter sind mit der gleichen Einstellung zu treffen; der Truthahn in 150 Meter Entfernung traf ich mit 2 Klicks mehr und der 200 Meter entfernte Widder benötigt ein nochmals um 3 Klicks höhergestelltes Kimmenblatt.

Die anfangs störende Kollision von Kammerstengel, Finger und Kimmentunnel kennt Lopponen auch und empfiehlt zum stehend Schiessen, das Visier auf der vorderen Brücke zu montieren. Ein weiser Rat, denn in dieser labilen Stellung ist die Visierlänge zweitrangig, und das Handling wichtiger. Allerdings muss nach jedem Ummontieren neu eingeschossen werden. Das ist jedoch ein generelles Problem der Silhouetten- Waffen. Zum Präzisionstest mit Zielfernrohr muss die Visierung demontiert werden und danach steht das Visier nie an der selben Stelle. Einige Klicks Korrektur sind leider immer nötig.

Um zu sehen, was die Waffe leistet, montierte ich auf eine Sako- Montage ein 30faches Benchrest- Glas. Auf 200 Meter waren regelmässig Streukreise um 8 - 10 cm zu erreichen. Da verfälscht schon ein Windstoss die Ergebnisse. Also testete ich die Präzision unterirdisch in einem Tunnel auf 100 Meter Distanz. Mit Ladungen von 27 - 28 gr. Kemira N135 änderte sich lediglich die Treffpunktlage. Jeweils 10 Schüsse lagen bei konstanten 4 cm Streuung - ein sehr gutes Ergebnis. In diesem Bereich jedes Schussbild auf Millimeter genau auszuwerten, ist unsinnig, da die Schützen- und Munitions- Streuung mindestens 20 % der Ergebnisse ausmacht.

Solche Auswertungen gaukeln eine Genauigkeit vor, die nichts über die Präzision der Waffe aussagt. Deswegen verzichte ich auch über eine Publizierung der Schussbilder; die Auswahl wäre zufällig. Wer sich darüber genauer informieren möchte, studiere das Buch "Geschosse" von Beat Kneubuel.

In Finnland sind die Geschosse im Kaliber 7 mm viel teurer als solche im Kaliber .30. Deshalb werden dort Wildcats wie .30 GJW und .30 BR benutzt. Der beidseitig je 0,2 mm aufgeweitete Hülsenhals bringt kaum Nachteile, genauso wenig wie der etwas schlechtere Luftwiderstand der dickeren 168 gr.- Geschosse. Dafür können die erprobten Ladungen der 7 mm-Patrone übernommen werden.

 

Zusammenfassung

Die Loppo Production ist eine trickreich entwickelte finnische Grosskaliber- Pistole, die auf einem Tikka- Gewehrverschluss basiert. Mit ihrer eleganten Linienführung fällt sie auf und hat auch bewiesen, dass sie an der Spitze mithalten kann. Neben dem getesteten Kaliber 7 GJW ist noch die Ausführung 7 BR zu empfehlen. Patronen mit weniger Fassungsvermögen sind - durch die reduzierte Lauflänge - weniger geeignet

Auf einen Blick:
Finnische Silhouetten-Pistole
Kaliber 7 GJW
Disziplin Grosskaliber Production
Zylinderverschluss von Tikka
Unkonventioneller Abzug
Sehr gute Schussleistung
Elegantes Äusseres

Bild 1

Verschlusshülse mit nach vorn gesetztem Abzug. Oben das BoMar- Visier mit aufgeklapptem Lansing- Kimmenschutz.

Bild 2

Der angeschrägte, glatte Vorderschaft mit freischwingendem Lauf und Lansing Korntunnel.

Bild 3 Bereit zum Präzisionstest mit aufgesetztem 30fachem Glas.
Bild 4

Esko Lempola, der Viceweltmeister der Serienwaffen- Klasse Grosskaliber mit seiner Loppo Production im  Kaliber 7 GJW.

Bild 5

Die Loppo Production von schräg hinten. Der geöffnete Kammerstengel ist elegant um den Kimmenschutz herumgeführt. Die Dose "Ramlösa" hilft, den Widder (Ram) vom Boden zu lösen! 

Bild 6

Visier mit hochgeklapptem Kimmenschutz und herausgenommenem Schloss

Bild 7

Die Loppo Production von links. Auf dem Schaft die Kontrollmarke der Waffenkontrolle WM 94 in Grasse.

Grafik 1

1  Windabdrift der drei bekanntesten Silhouetten- Patronen bei gleichem Innendruck von 3400 bar.

Grafik 2

2  Zusammenhang zwischen Anfangsgeschwindigkeit (V0) und Lauflänge bei der Patrone 7 GJW.

 

Technische Daten

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Hersteller:

Aseseppä M. Lopponen Ky, Simasalonkatu 8,
57200 Savonlinna, Finnland
Tel.:00358-57 248 818
Fax.:00358-57 258 419

Waffenart:

Metallsilhouetten-Pistole der Production Klasse Grosskaliber

Kaliber: 7 GJW
Waffennummer: 211209
Verschluss:

Zylinderverschluss Tikka Einzellader, aus Chromstahl

Abzug:

Direktabzug Lopponen Widerstand 600g, justierbar

Lauf:

Länge 240 mm (9.4 in.), stainless
Durchm. hinten 26,7mm, vorne 18,2 mm
Drall-Länge 230 mm (9 in.)

Visierung: hinten BoMar mit Lansing- Tunnel;Kimmenbreite 2,1 mm
vorne Lansing Korntunnel;Kornbreite 2,7 mm (variabel)
Visierlänge: 339 mm, 25 mm über Laufseele
Schaft:

Birkensperrholz, rot eingefärbt und lackiert. Masse 375 g

Griffmaß: 65 - 80 mm variabel
Gewicht         1740 g
Gesamtlänge 405 mm , 490 mm Verschluss offen