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Silhouetten-Pistole Picra SP-96

 

Erschienen in DWJ 10/98

Beim Silhouetten-Schiessen wird in mehreren Disziplinen gestartet. Zylinder-Pistolen gelten als die präzisesten; Kipplauf-Systeme ermöglichen einen schnellen Laufwechsel. Wird der Lauf beim Zylinderverschluss gewechselt, muss neu eingeschossen werden, da Kimme und Korn nicht mehr fluchten.  Dies galt so lange, bis letztes Jahr an der Europameisterschaft in der Tschechei ein einheimischer Schütze mit einer Eigenkonstruktion auftauchte, die alles auf den Kopf stellte.

VON  GUIDO  J. WASSER

Eigentlich hat Ivo Picek Ende der 70er Jahre in Prag Maschinenbau studiert und sich danach zehn Jahre in der Keramikfabrik von Rakovnik mit Klimatechnik beschäftigt. 1990, als der eiserne Vorhang wankte, gründete er eine eigene Firma im nahen Knezeves, wo er heute noch Richtbänke für Autokarosserien und Gattersägen für die Forstwirtschaft herstellt. Für Waffen hat er seit jeher ein Faible. Schon mit 16 Jahren stellte er einen Revolver her, der leider (oder glücklicherweise) nur noch als verblasstes Foto existiert. Später nahm er an unterschiedlichsten Schieß- Wettkämpfen teil und landete vielfach auf vordersten Plätzen. Letztes Jahr wurde er sechsfacher tschechischer Meister in den Silhouetten- Disziplinen und im Polizei- und Militärschiessen.

Bei internationalen Wettkämpfen ärgerte ihn, dass seine Landsleute meist mit deutlich schlechterem Material antraten, als die Konkurrenz. Die Spitzenwaffen kosten in der Tschechischen Republik mehrere Monatsgehälter. 1996 setzte er sich deshalb in den Kopf, für seine Leute eine  bezahlbare konkurrenzfähige Silhouetten- Pistole zu bauen. In seiner Maschinenfabrik hatte er schliesslich die meisten Werkzeuge selber gebaut. Wer seine hydraulische Presse von 100 Tonnen und die automatische Bandsäge in Aktion gesehen hat, bewundert die unkonventionelle Konstruktion; seine Frau Jana verzweifelt jedoch manchmal an seinem Hang zur Perfektion. Ihre Arbeit als Chemikerin hat sie an den Nagel gehängt, um die gemeinsame Maschinenfabrik Picra zu organisieren. Musste sie früher schon mit vielen Ämtern konferieren, bleiben ihr heute Fahrten ins Beschussamt von Prag nicht erspart. Ihre Drohung, Ivo Picek irgendwann zu vergiften, sollte trotzdem nicht zu ernst genommen werden.

Die Pistole heisst PICRA SP-96. Der Firmenname besteht aus PIC, dem Anfang von Ivo Picek´s Name und RA von dem schönen böhmischen Städtchen Rakovnik, einer historischen Königsstadt, mitten zwischen Prag und Pilsen gelegen. Besonders stolz sind die Rakovniker auf Ihren grossen Platz, um den sich der Stadtkern rankt. Schliesslich ist er der grösste der Tschechischen Republik, nur noch übertroffen vom Wenzelsplatz in Prag. Die Typenbezeichnung SP-96 ist die Abkürzung für „Silhouetten-Pistole, konstruiert 1996“. Genug der Kürzel, auf zur Konstruktion!

  

Wechsellauf und Zylinderverschluß

Das Konzept ist genial einfach: In einem 200 mm langen Griffrahmen aus 14 mm dickem Werkzeugstahl sitzt die Abzugseinheit. Hinten preßt eine hochfeste, 80 mm lange Imbusschraube M5 den gegossenen Gummigriff an den Rahmen. Nach vorne wird er durch einen hölzerner Vorderschaft verlängert. Verschlusshülse und Lauf mit Visierung bilden eine Einheit, die aufgesetzt wird. Bei Kaliber- oder Disziplin-Wechsel wird diese einfach gewechselt. Dazu wird die grosse Rändelschraube vor dem Abzug gelöst, die eine Passklaue zurückschwenkt. Nun kann der Lauf vorne angehoben und hinten aus der prismatischen Führung gezogen werden.

Beim ersten Kontakt an der Europameisterschaft 97 in der tschechischen Republik, war ich sehr skeptisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mit dieser Konstruktion eine hohe Genauigkeit erzielt werden könne. Auch ist die Nahtstelle für einen trockenen Abzug kritisch. Aber die Praxis belehrte mich schon an der EM eines besseren. Die wenigen Tschechen, die mit der SP-96 antraten, schossen ausgezeichnete Resultate. Kurz danach, am Bohemia Cup, der als tschechische Meisterschaft gilt, zeigte Ivo Picek, was in seiner Konstruktion steckt: Beim Stechen in der Disziplin „Production“ (Serienwaffe) wurden die Huhn-Silhouetten, die sonst 50 Meter von den Schützen entfernt stehen, auf 150 m Distanz aufgestellt. Mit der SP-96 traf Picek alle in den nur 12 cm hohen Rumpf und wurde dadurch tschechischer Meister.

Der kritische Punkt der Konstruktion liegt an der Verbindung von Griffstück und Verschlusshülse. Hinten erfolgt sie über ein Prisma. Die Einheit von Lauf und Verschluss wird schräg eingesetzt, ganz nach hinten geschoben und gleichzeitig vorne nach unten gedrückt. Dabei wird das Abzugszüngel gezogen. Hört sich kompliziert an, aber mit etwas Übung ist es eine harmonische Bewegung. Wird die Rändelschraube vor dem Abzugsbügel dann angezogen presst sie eine Klaue herunter, die den Verschluss vertikal und horizontal fixiert. So sitzt das Oberteil bombenfest im Griffstück und stützt sich hinten sauber ab. Die Nahtstelle zwischen den empfindlichen Abzugsteilen ist so sauber positioniert, dass der Auslösewert mit einer Schraube zwischen 300 g und 1800 g variiert werden kann. 

Auch Vorzugsweg und Triggerstopp lassen sich mit Schrauben von aussen einstellen. Das Abzugszüngel ist um +/- 8 mm verschiebbar. Das Griffmass - vom Abzug bis Griffrücken - liegt im Bereich von 60 - 76 mm und reicht für elegante Frauenhände bis kräftige Männerpranken. Dazu trägt auch der schwarze Gummigriff bei. Er dämpft  den Rückstoss und passt mit seinen Fingerrillen und Daumenauflage den meisten; sogar Linkshändern. Wer es unbedingt eleganter haben möchte, erhält auch schön gemaserte Hartholzgriffe mit passendem Vorderschaft. Dies natürlich gegen entsprechenden Aufpreis. In der Normalausführung besteht der 225 mm lange Vorderschaft aus unverwüstlichem Nussbaumholz, reicht fast bis zur Mündung und lässt den Lauf frei schwingen. Befestigt ist er mit zwei Holzschrauben am Griffstück. Das Profil ist unkompliziert, ohne Punzierung oder Fischhaut und zur Anlage in der Creedmore- Stellung genauso geeignet, wie zur Auflage bei „Dead Frog“ oder für den Stehend- Anschlag. 

Dies alles trifft auf die meisten guten Silhouetten-Pistolen zu, aber die Picra hat noch andere Tricks auf Lager. Viele Schützen lieben das automatische Auswerfen der Hülsen beim Öffnen des Verschlusses. Dazu fährt das Schloss gegen einen fest montierten Ausstoßer, wie z.B. bei den Sako- Systemen. Schnelles Öffnen lässt die Hülse weit fliegen, langsames, sie nur herauspurzeln. Pingelige Wiederlader möchten jedoch jede Hülse selber aus dem Lager klauben, damit keine Dellen entstehen. Auch dies erfüllt die Picra. Wird die Rändelschraube, die rechts als Schlosshalter dient, herausgeschraubt und in das Gewinde einige Millimeter weiter vorne versetzt, erreicht der Stossboden auch bei heftigem Repetieren den Auswerfer nicht mehr, und die Hülse bleibt in der Lademulde liegen.

Unkonventionell ist auch das Schloß. Die Verriegelung erfolgt 90 mm hinter dem Stoßboden. Kein Auszieher schwächt die beiden, 10 mm breiten und 3,2 mm hohen Warzen. Die Skepsis, dass der lange Weg von Stossboden bis Verriegelung die Präzision beeinflusst, konnte beim Schiessen nicht bestätigt werden. Dieser Vorbehalt stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende (Schweizer Karabiner 11) mit den damaligen Militärtoleranzen. Positiv ist der einfache Zugang zum Patronenlager und das problemlose Reinigen der Verriegelung.

Der 45 mm kurze Kammerstengel sitzt links am Verschluss und verriegelt innerhalb 80 Grad. Geöffnet stört er auch eine niedrige ZF-Montage nicht. Eine 11 mm-Schiene dafür ist direkt an das Verschlussgehäuse angefräst. Auch an Stopper gegen Rutschen des Glases ist gedacht worden. Zum Aufbau eines Glases, um die Streuung der Munition zu testen, muss allerdings das Visier demontiert werden. Dies geht jedoch einfach, da die Imbusschrauben dafür freiliegen. Auch ist das Visier auf der Schiene seitlich positioniert, was eine hohe Wiederholgenauigkeit garantiert.

 

Unkonventionelle Visierung - aber praktisch

Das Visier selber ist eine Eigenkonstruktion und lediglich 24 mm über der Laufseele plaziert. Die Höhenschraube sitzt auf der linken Seite, besitzt die eingravierten Ziffern 2, 4, 6, 8 und ist mit einem Schraubendreher zu verstellen. Da eine Umdrehung aus 16 Klicks besteht, ist jede zweite Einrastung gekennzeichnet, ähnlich dem neuesten Anschütz-Silhouettenvisier. Ein Klick der gleichmässigen Rasterung verschiebt die Treffpunktlage in 200 m Entfernung um 26 mm beim Production- und 23 mm beim Unlimited- Lauf. Die Seitenverstellung ist recht unkonventionell: Wird nach links gestellt, muß zuerst die linke Schraube gelöst werden. Dann wird die rechte Schraube - ohne Klicks - im Uhrzeigersinn gedreht. Eine Viertelumdrehung - 90 Grad - entspricht dabei 10 cm auf 200 Meter. Dann wird die linke Schraube wieder bis zum Anschlag hereingedreht, wo sie das Kimmenblatt fixiert. Da beim Silhouetten- Schiessen die Seiteneinstellung kaum verstellt wird, ist diese Prozedur nur beim Einschiessen notwendig; danach kann man sie vergessen. Das Korn ist zylindrisch und steckt im stählernen Halter, wo es von einer 2 mm- Imbusschraube fixiert wird. Ein 35 mm langer Korntunnel wird bis zum Anschlag aufgeschoben. Korne gibt es in 2,7 mm und 3,3 mm Durchmesser; die Kimmen sind 2,0 bezw. 2,3 mm breit.

Interessant sind die Läufe. Hinten, beim Patronenlager sind sie 24 mm dick, verjüngen sich konisch bis 16 mm, um dann vor der Mündung in einen 21 mm dicken Zylinder überzugehen. Diese Form wurde durch schwingungstechnische Untersuchungen gefunden. Neuartig der Laufaustritt mit der 11 mm tiefen glockenförmigen Vertiefung, die in einer Mündung von 18 mm Durchmesser endet und auf Erkenntnissen von S.H. Goldstein beruht. Antriebsgase werden erst trichterförmig abgeleitet, um das austretende Geschoss nicht zu stören. Erst nach dessen Vorbeiflug tritt Verwirbelung ein. Der Rückstoss wird dabei nicht reduziert, sondern sogar etwas vergrössert. Somit handelt es sich nicht um einen unerlaubten Kompensator.

Das Verschlussgehäuse, das fest mit dem Lauf verbunden ist, hat oben einen 60 mm langen Ladeschacht. Bei der Kleinkaliber-Version ist er deutlich kürzer. Der Schwenkriegel, ganz hinten am Schloss, blockiert den Schlagbolzen und dient auch als Trainingsabzug. Diese Version ist jedoch in der C.R. nicht erlaubt und kann nur im Ausland geliefert werden. Verwunderlich sind noch andere Bestimmungen dieses jungen Landes. So musste die Silhouetten- Pistole eine Typenprüfung bestehen, wobei der militärische Temperatur- und Schlammtest gemacht wurde. Dies ist für eine Präzisionswaffe völlig überzogen. Welcher Wettkampf findet schon bei 70 Grad Celsius im Schlammbad statt, oder bei arktischer Kälte? Andererseits fehlte generell der Beschussstempel auf den Schlösser. Das scheint eine tschechische Eigenart zu sein, denn auch zwei Testmuster von DruLov wiesen keinen Beschuss auf dem Schloss auf. Diese Kennzeichnung schreiben jedoch die CIP und das neue C.R.- Waffengesetz bindend vor. Wobei die Frage erlaubt ist, ob die tschechische Republik überhaupt Mitglied in der CIP sei. Die Tschechoslowakei war es, aber das ist Jahre her. Also sollte bei Neuwaffen aus diesem Land ein Nachbeschuss in Deutschland eingeplant werden. Sicher ist sicher!

Ivo Picek hat nicht nur bei der Konzeption dieser Pistole ökonomisch gedacht, sondern auch noch eine adäquate Patrone dafür entwickelt, die „.30 Picra“. Diese wird aus den billig erhältlichen .357 Mag.- Hülsen geformt. Mit aufgesetztem .30er- Geschoss ist der Pulverraum jedoch etwas knapp geraten. Da er noch unter dem der 7 TCU liegt, kann ein ungünstig stehender Widder schon mal stehen bleiben. So gut es gemeint war, eine billig herzustellende Patrone zu schaffen, weiss auch der Entwickler um deren Schwächen und setzt sie nur noch in der Stehend-Disziplin ein. Da ist sie angenehm, wegen des geringeren Rückstosses. Bei „Production“ benutzt er die bewährte 7 GJW. Die fertigen Hülsen aus Thuner Fertigung sind zwar nicht gratis, aber bei mehrfachem Wiederladen liegt deren Anteil unter 5 Pfennigen pro Patrone. An weiteren Kalibern bietet Picra auch die 7 TCU, sowie deren 6 mm-Variante für die Grosskaliber- Disziplinen an. Für „Fieldpistol“ stellt er Läufe in .300 Whisper, .357 Magnum, .22 Hornet und K-Hornet her. Beste Wahl ist hier die K-Hornet, eine Entwicklung von Lisle Kilbourn aus den 40er-Jahren. Für die KK-Disziplinen gibt es Läufe in .22 l.r. und generell in den Längen 10 “ und 13“. Bei KK entfällt die Gaszentrierung an der Mündung.

  

Praktische Erprobung

Beim Schießen mit der Picra fällt die angenehme Handlage auf. Starke Kaliber sind etwas heftig, da die Hand sehr nahe an der Laufseele liegt und die Waffe weniger  nach oben ausweicht. Der elastische Griff dämpft allerdings die Spitze weg. Die beiden rechtwinkligen Kanten des Griffstückes hinter dem Griff  bissen sich bei meinem ersten Wettkampf - ähnlich der SIG 210 - in die Hand. Für starke Kaliber sind deshalb Fahrradhandschuhe als Schutz davor, ideal. Das ist jedoch Standard bei dieser Sportart; wer ohne Handschuhe schießt, ist selber schuld! Bei der nächsten Serie sollen die Kanten durch einen 3 mm-Radius entschärft werden. Dieser Effekt war kaum vorhersehbar - offensichtlich federt die Hand doch stärker ein, als angenommen, bei Geschoßenergien über 2000 Joules. Dies zwang auch schon die schweizer Firma Wüthrich zu ähnlichen Radien nach der Vorserie ihrer Silhouetten-Pistole!

Die Waffe liegt sehr ruhig in jedem Anschlag und läßt sich einfach handhaben. Der links zum Körper herausstehende Kammerstengel ist zwar ungewohnt für gestandene Silhouetter, stellt jedoch - durch seine kurze Bauweise - keine Bedrohung dar. In der Creedmore- Stellung konnte ich damit sogar am Oberschenkel abstützen; bei Dead Frog ist er sowieso unkritisch. Repetieren geht angenehm leicht und die Visierung ist auch bei blendender Sonne oder Regen klar zu erkennen. Bei offenen Ständen hilft der aufschraubbare Kimmenschutz.

Die praktische Erprobung fand bei stürmischen Winden statt, wo Regen, Schnee und Sonne einander abwechselten. Ich verzichte deshalb auf Trefferbilder, die mir lediglich mittelmäßige Schießkünste bescheinigen würden. Die Picra hat bewiesen, daß sie auch mit teureren Konstruktionen konkurrieren kann. Wer ein shoot off mit der maximalen Trefferzahl beendet, braucht keinen Präzisionsnachweis mehr!

Der Laufwechsel geht ganz einfach, auch wenn ich mich die ersten beiden Male noch etwas ungeschickt anstellte: Die grosse Rändelschraube vor dem Abzugsbügel im Gegenuhrzeigersinn drehen, bis die Klaue den Lauf freigibt. Den Lauf vorne anheben und nach vorne wegziehen. Danach den zweiten Lauf hinten ins Prisma schieben, den Abzug ziehen und herunterschwenken. Wird der Abzug nicht betätigt, kann der Lauf nicht einrasten. Nun muss nur noch die Rändelschraube vor dem Abzugsbügel im Uhrzeigersinn angezogen werden. Nach einigen Schüssen sollte deren fester Sitz geprüft werden, damit keine unerwünschten Vibrationen auftreten. Mit etwas Übung geht der Laufwechsel recht schnell, so dass es problemlos ist, mit verschiedenen Läufen in unterschiedlichen Disziplinen zu starten, auch wenn die Pausen zwischen den einzelnen Durchgängen knapp bemessen sind. Da ein Laufwechsel jeweils den Wechsel des Verschlusses inklusive Schloss und Visierung beinhaltet, kann diese Einheit nicht allzu billig sein; preiswert ist sie, für 875.-DM, trotzdem. Durch den 16 cm langen Verschluss wird die maximal erlaubte Visierlänge für die Disziplin Production erreicht. Dies trifft auf die wenigsten Konstruktionen zu und macht den Preis wieder wett. Kurioserweise nutzt der Unlimited- Lauf die maximal möglichen 15 Zoll nicht aus. Er ist lediglich 330 mm lang (KK: 345 mm), dafür jedoch stabiler. Trotzdem wird die maximale Visierlänge von 381 mm erreicht. Für die 7 GJW ist die reduzierte Lauflänge unwesentlich, für die 7 TCU reicht es auch. Daß die Picra SP-96 nicht nur allen Regeln der Serienwaffen- Disziplin entspricht, sondern auch in Serie gefertigt wird, davon konnte ich mich schon Ende 1997 beim Hersteller überzeugen. Da existierten neben Teilen in Bearbeitung Dutzende fertiger Griffstücke, Verschlusshülsen, Schlösser etc.

Der Abzug läßt sich leicht den eigenen Bedürfnissen anpassen. Das verschiebbare Züngel nimmt auf kurze und lange Finger Rücksicht. Wer einen Druckpunkt wünscht, stellt den Vorzug mit der hintersten Schraube im Bereich von 0 - 4 mm ein. Die erste vor dem Züngel reguliert den Triggerstopp und die Abzugskraft läßt sich mit der vordersten Schraube einstellen. Den ganzen Bereich von 300 - 1800 g wird wohl kaum jemand ausnutzen. Ich ziehe einen Abzug vor, der - nach 2 mm Vorzug - bei rund 500 g trocken auslöst. Dies war schnell und einfach einzustellen.

Daß die SP-96  auch trifft, bewiesen nicht nur Schützen aus dem Osten. Nach der gemächlichen Erprobung auf Scheiben konnte ich sie am internationalen Böhmencup Mitte 98 im Wettkampfstreß testen. Da ich dort ein neues Modell aus laufender Produktion erhielt, gewährte mir der Organisator am Vorabend des Wettkampfes insgesamt zehn Probeschüsse auf die vier Großkaliber- Distanzen. Danke Jarda! Leidlich eingeschossen startete ich damit in der Production- Disziplin ohne Spotter und erreichte bei strahlendem Sonnenschein das Stechen (shoot off) der Punktgleichen um die ersten Plätze. Überrascht stellte ich fest, daß Ivo Picek einen Punkt hinter mir lag - nicht weil er schlechter geschossen hatte, sondern weil zwei getroffene Widder nicht gefallen waren. Die Energie hatte nicht gereicht. Beim Stechen auf verkleinerte Ziele meinte es das Schicksal in zweierlei Hinsicht gut mit mir: Als Spotter auf die winzigen Silhouetten wies mich Ivo Picek selber ein und nach dem zweiten Durchgang, als nur noch zwei punktgleiche Schützen im Rennen lagen, setzte ein Gewitterregen mit heftigen Windböen ein. Da kann die Patrone 7 GJW all ihre Trümpfe ausspielen. Mit etwas Glück schoß ich „full house“ und entschied das „shoot off“ für mich.

    

Zusammenfassung

Die Picra SP-96 ist eine preisgünstige, gut verarbeitete Silhouetten- Pistole mit vielen praxisnahen Details. Durch einfachen Laufwechsel läßt sie sich in allen Silhouetten-Disziplinen (außer Revolver natürlich) sinnvoll einsetzen. Aus der angebotenen Kaliberpalette empfehle ich für Großkaliber die 7 GJW, die K-Hornet für die beiden Feldpistolen- Disziplinen und die unvermeidliche .22 l.r. für Kleinkaliber. Nachdem Thompson/Center Läufe in den typischen Silhouetten- Kalibern 7 T/C U und K-Hornet aus dem Standardprogramm genommen hat und die 7 BR und 7 GJW für die Contender nur von Bullberry geliefert werden (nicht Production!), ist die Picra eine preisgünstige Alternative zur edlen Wüthrich. Eine Stainless- Ausführung ist in Arbeit und soll rund 15 % teurer sein; wer es luxuriös mag, kann Vorderschaft und Griff in Edelholz haben. Der Rückstoß bei Großkaliber wird dadurch jedoch bissiger.

Die SP-96 erfüllt alle Bedingungen, die der Weltverband IMSSU an eine Serienwaffe stellt und läßt sich - mit unterschiedlichen Läufen - somit in insgesamt 8 Disziplinen einsetzen.

 

Bildzeilen:

  1. Die Picra SP-96 mit den Wechselläufen in .22 l.r. und 7 GJW.

  2. Ivo Picek mit Medaillen und Pokalen an der tschechischen Meisterschaft. 

  3. Die beiden Gewinde für den Schloßhalter zur Wahl von automatischem oder manuellem Hülsenauswurf.

  4. So wird der Lauf beim Wechseln aufgesetzt.

  5. Die Einzelteile der SP-96, hier im Kaliber 7 GJW mit einem Luxus-Vorderschaft.
    Weißfertige Griffstücke und Verschlußhülsen aus der Serie anfangs 98.      

  6. Das Firmensignet von PICRA ist die Zusammensetzung von Ivo PICek und RAkovnik. Darunter die stilisierte Krone der alten Königsstadt.

  7. Dem Autor mit der SP-96 im Creedmore-Anschlag  spottet Ivos Sohn Petr Picek.

  8. Ivo Picek schießt in der Stellung „Dead Frog“

  9. Der 11 mm tiefe Gaszentrierer des freischwingenden Laufes. Darüber Wechselkorn mit Tunnel.

  10. Trainingsabzug und gleichzeitig Schlagbolzen-Sicherung

  11. Hinteres Prisma und Abzugsstollen.

  12. Ansicht des Griffstücks von oben: Links das hintere Führungsprisma für die Verschlußhülse, rechts die Klaue, die vorne fixiert, in der Mitte der Abzug.

  13. Das Korn wird mit einer Imbusschraube fixiert und durch einen Tunnel geschützt. 

  14. Schnitt durch die Silhouetten-Pistole SP-96 von Picra. 

 

Waffen-Abmessungen und -Gewichte

Fabrikat: Picra (Czech. Republik)
Modell. SP-96 (PRODUCTION); 
Kaliber: Kaliber  7 GJW
Gesamtlänge G: 395 mm
Lauflänge L: 272 mm
Laufdurchmesser vorne: 21 mm
Laufdurchmesser hinten: 24 mm
Visierlänge: 340 mm
Visier : Anzahl Klicks: 10 Kl. pro Umdrehung (1 Klick entspricht 13 mm auf 100 m
Kimmentunnel hintenT1: 25 mm Überhang
dito     vorneT2: 35 mm Überhang
Korntunnel hinten T3: 15 mm Überhang
dito     vorne    T4: 28 mm Überhang
Kornhöhe K: 25 mm über Laufseele
Kehlung G: 35 mm von hinten
Griffmaß A min.  =  60 mm
dito     A max. =

76 mm

Lauf über Abzugmitte: 51 mm hoch
Griffhöhe H: 70 mm
Abzugskraft

300 - 1800 g 

Gesamtgewicht: 1780 g
dito ohne Visierung: 1690 g
Preis: 2000 .- DM brüniert
ca. 1200 .- DM Ersatzlauf komplett 
Vertrieb: Waffen Knapp, Reutlingen