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Winston Silhouetten-Revolver

Erschienen in IWM 3-2001:

Guido J. Wasser

Der ZKR-551 ist ein legendärer tschechischer Sportrevolver aus den 50er-Jahren – berühmt für seine Präzision, aber auch für die makellose Verarbeitung. Jahrzehntelang versteckte er sich hinter dem Eisernen Vorhang. Nun wird er von der Firma Winston in Brünn wieder produziert - als Silhouetten-Revolver.

1998 an der Weltmeisterschaft im finnischen Sipoo sah ich ihn das erste Mal: die Silhouetten- Ausführung des legendären ZKR-Revolvers. 1955 als Revolver-Modell 1 von den beiden Kaucky- Brüdern in Brünn (Zbrojovka) konstruiert. Daraus entstand die Abkürzung ZKR-551. Nun prangte der Schriftzug »Winston« auf der Waffe und das Kaliber .22 L.R., das aus einem 10 Zoll- Lauf verschossen wurde. Jan Albrecht, ein Mitglied der tschechischen Mannschaft, hatte ihn mitgebracht. Beim Training machte der Revolver einen guten Eindruck, war jedoch noch zu leicht, und die Trommel hatte die Länge einer .357er, wodurch das Kleinkaliber- Geschoss unnötig viel Freiflug aufwies. Auch der Abzug war noch nicht den Gepflogenheiten des  Silhouetten-Schießens angepasst. Er löste zwar trocken, ohne Kratzen oder Schleppen aus, benötigte dafür jedoch rund 1.5 kg. Ein Drittel davon hätte gereicht. Der Griff war unten breit und ohne Daumenauflage und die offene Visierung puristisch - ohne Klicks und ohne Kimmen- und Korntunnel. Also ein typischer Sportrevolver mit längerem Lauf.

Wenn auch die Adaption für den Silhouetten-S port erst rudimentär war, faszinierte doch die perfekte Verarbeitung mit polierten, tiefschwarzen Oberflächen und einem exakten Timing. Eben damit, wofür der ZKR-Revolver berühmt war. 

Seit längerer Zeit ist von Frankonia der ZKR-551 als normaler Sportrevolver lieferbar, zuletzt im Januar 2001 gar als Sonderangebot für DM 999,-. (Im Hauptkatalog 2000/2001 allerdings ist der Preis mit DM 1750,- angegeben.) Hersteller des Revolvers ist Zbrojovka Brno, die Waffenfabrik Brünn, die ihn in ihrem Katalog mit 6-Zoll-Lauf in verschiedenen Kalibern und auch im Factory Shop anbietet.

 

Entwicklungsgeschichte

Da es in Finnland in diesem Sommer meist regnete und ich mit drei andern Schützen zwei Wochen in einer Hütte lebte, war genügend Zeit, sich Gedanken zu machen, wie die gute Grundkonstruktion zu einem KK-Silhouetten-Revolver optimiert werden könnte. Während der EM ging die Waffe von Hand zu Hand, und viele Ideen wurden eingebracht. Am Schluss existierte eine Sammlung von Detailzeichnungen mit dazugehörigen Erklärungen, die Jan Albrecht zurück zum Hersteller brachte.

Lange Zeit passierte nichts, bis an der EM 99 in Baumholder Vlasta Vancurova aus Prag freudestrahlend die neue  Version präsentierte, die fast alle Vorschläge der WM-Teilnehmer berücksichtigte. Die Trommel war nur noch  25 mm kurz, der Lauf dicker, das Visier hatte feine Klicks und war durch Kimmen- und Korntunnel geschützt.

Einige Wochen später, am Grand Prix Bohemia in Knezmost hatte der Griff eine breite Daumenauflage, und wir konnten das neue Modell ausprobieren. Zusätzlich brachte der Sales Manager Petr Truksa zwei Versionen in .357 Magnum mit. Diese waren offensichtlich noch nicht serienreif, denn im Rückstoß flog der Korntunnel weg, und auch eine Kimme mussten wir nach einigen Schuss im Gras suchen. Das Kleinkaliber-Modell jedoch machte einen sehr guten Eindruck. Es war sehr schön verarbeitet und mit vielen praktischen Details ausgestattet. Die Präzision war hervorragend.

  

Ostimport

Um das Modell auf Herz und Nieren zu testen, versprach Ervin Bartos, der technische Leiter der Firma Winston aus Brünn, mir bald ein Exemplar zu senden. Nun begann ein monatelanger Papierkrieg mit immer neuen Forderungen nach unterschiedlichen Dokumenten zur Ausfuhr. Im Herbst 99 teilte man mir telefonisch mit, dass das KK-Modell noch vor Weihnacht in meinem Besitz sein soll. An der IWA im März 2000 meinte man dann, die Sendung schon abgeschickt zu haben. Danach verlangte man eine tschechische Übersetzung meiner Waffenbesitzkarte und eine polizeiliche Bestätigung, dass die Waffe eingeführt werden dürfe. Später musste es eine beglaubigte Übersetzung eines staatlich geprüften Übersetzers sein, zusammen mit der notariellen Beglaubigung meines Passes. Dies selbstverständlich in tschechischer Sprache und von einem in der Tschechischen Republik zugelassenen Notar! Nachdem auch diese Forderungen – mit Hilfe der Schweizer Botschaft in Prag und des Präsidenten der dortigen Silhouetten-Vereinigung, Ivan Chmelik – erfüllt war, passierte einige Wochen lang nichts mehr. Plötzlich benachrichtigte mich Winston, dass nun offizielle Einfuhrpapiere und eine Bestellung eines Händlers benötigt würden.

Nach einem guten Dutzend Briefen mit diversen Original-Dokumenten und noch mehr Faxen und E-Mails traf endlich beim Zoll ein Paket der Firma Winston aus Brünn ein. Darin befand sich jedoch nicht der KK-Revolver, sondern eine Silhouetten-Ausführung im Kaliber .357 Magnum mit Beschuss von 1998. 

  

Ausführung

 Der Großkaliber-Silhouetten-Revolver von Winston beruht auf dem legendären Rahmen des ZKR- Revolvers von 1955. Dieser nimmt eine Trommel von 38 mm Durchmesser und 40.7 mm Länge auf. Somit passen zwar Magnum-Patronen mit ihrer maximalen Länge von 40.4 mm, jedoch weder .41 Magnum noch .44 Magnum wären konstruktiv unterzubringen. Für die .357 Magnum reicht es, wobei die Wanddicke zwischen den Patronen bei 2.3 mm und gegen außen bei 2.2 mm liegt. Um kein anderes Timing konstruieren zu müssen, wurden die 6 Patronen des Vorläufers beibehalten. Für Silhouette ist das nicht sinnvoll, da nur 5 Patronen geladen werden dürfen. Das ist zwar nicht so wichtig. Bedenklich ist jedoch die Anordnung der 1.7 mm tiefen Klinkenausfräsung für den Trommelstopp, die bei gradzahliger Patronenzahl direkt unter den Lagern eingreift. An dieser Stelle bleibt dann nicht mal mehr ein Millimeter Wanddicke übrig. Auch bei hochfestem Stahl ist das kritisch, denn in dieser Sportart wird meist mit Maximalladung geschossen. Die Werksgarantie ist dann auch auf 5000 Schuss limitiert. Aber da die Waffe den tschechischen Beschuss trägt, werden wohl zumindest deren Bestimmungen eingehalten. 

Die Trommel ist nicht ausschwenkbar und wird über eine Ladeklappe auf der rechten Seite geladen. Etwas ungewohnt, aber sehr praktisch, ist deren Schwenken nach hinten und nicht zur Seite. Sobald die Klappe das Lager freigibt, ist die Trommel entriegelt und kann im Uhrzeigersinn gedreht werden. Rückwärts geht es zwar nicht, aber dies ist allgemein so. Klemmt eine Patrone z.B. wegen zu großer Länge, kann die Trommel schnell entnommen werden. Zumindest sieht das die Konstruktion vor: Dreht man die Trommelachse aus der Arretierung um 45 Grad nach unten, kann diese nach vorne gezogen werden und gibt die Trommel frei. Beim Testexemplar war sie dann zwar frei, konnte jedoch trotzdem nicht entnommen werden. Erst als der Ausstoßer mitsamt Gehäuse und Feder demontiert war, kam ich an die Trommel heran. Grund war ein geringfügig zu langer Ausstoßer, der die Entnahme verunmöglichte. Offensichtlich hatte niemand das Testmodell überprüft, obwohl es schon starke Gebrauchsspuren zeigte.  Vom KK-Modell her weiß ich jedoch, dass die Konstruktion sehr sinnvoll ist und damit Störungen im Wettkampf zu beheben sind. Auch die Reinigung ist damit schneller möglich. Also ein sehr praktisches Detail – wenn es funktioniert!

Der Abzug löst kurz und trocken aus. Der Triggerstopp ist von außen einstellbar. Mit einer gesonderten Schraube ist auch das Abzugsgewicht einzuregeln. Leider steht das nirgendwo in der Bedienungsanleitung. Für eine Silhouetten-Waffe sind die 1.400 kg der Testwaffe jedoch viel zu hoch. Sie ließen sich auch nur um 10 % herabsetzen. Üblich sind Werte um 0.500/0.700 kg. Mit einer anderen Feder soll dies problemlos gehen, ohne die Schlagenergie zu schwächen - ähnlich, wie bei den Konstruktionen von Freedom Arms (Casull) und Weihrauch (Arminius). Leider konnte ich mich davon nicht überzeugen, da diese Feder nicht erhältlich war. 

Mit Freedom Arms vergleicht sich Winston gerne. Man verkündet stolz, ein noch besseres Finish als diese Nobelmarke zu haben. Auf das Testmodell traf dies teilweise zu, denn Bearbeitungsspuren waren nur unter den Griffschalen und am Visier zu sehen. Die etwas provisorisch wirkenden Visiertunnel entsprachen noch nicht dem angestrebten Standard. Der vordere wanderte durch den Rückstoß nach vorne und sprang schon nach einigen Schüssen ab. Der Kimmentunnel war stark zerbeult und stellte sich im Rückstoß immer mehr hoch, sodass keine ganze Trommel geschossen werden konnte, denn bald verdeckte er das Korn. 

Die Rahmenbrücke ist unten 18 mm breit und verjüngt sich nach oben auf 13 mm. Mit einer maximalen Dicke von 7 mm liegt die Stabilität im Bereich der Konkurrenz. Allerdings wird sie auf der ganzen Länge durch die Visierausfräsung geschwächt. 

Schön ist die leichte Wechselmöglichkeit von Kimme und Korn. Die Klickverstellung ist präzise und ergibt eine mittlere Verschiebung der Treffer auf 200 m von 6.15 cm pro Klick in der Höhe und 5.08 cm zur Seite ohne wesentliche Abweichung. Ungewohnt die Drehrichtung der Höhenschraube, die bei Drehung nach rechts die Treffer nach oben schiebt und immer mehr im Visierkörper verschwindet. Der Schraubendreher dafür muss also exakt passen, sonst verschwindet der Schlitz immer tiefer und kann nicht mehr gedreht werden. Perfekt passt eine Klinge von 5 mm Breite und 0.6 mm Dicke, deren Schaft nicht stärker als 5.5 mm ist. Größer darf sie auf keinen Fall sein, denn deutlich kleiner, funktioniert jedoch auch nicht.  Beim Testobjekt musste um 5.5 Umdrehungen/44 Klicks aus der Grundstellung hochgedreht werden, bis auf 50 m das Huhn getroffen wurde. Für den Widder in 200 m Entfernung reichte die Höhenschraube zwar noch, sie war jedoch schon außerhalb der Klicks. Dies mit der bekannt kräftigen Winchester- Munition. Eine spezielle Silhouetten-Munition mit schweren Geschossen und einem Maximaldruck an der CIP-Grenze hatte eine gestrecktere Flugbahn, und die Höhenverstellung reichte gerade noch so. Sinnvoller wäre ein rund 3 mm höheres Kimmenblatt, wodurch sich das Visier für die nächste Distanz annähernd  in Grundstellung befindet. Dann sind reproduzierbare Klicks für alle Wettkampf-Distanzen vorhanden. Das höhere Visier hätte noch den Vorteil, dass der Kimmenausschnitt tiefer gefräst werden kann, denn jetzt war er deutlich flacher gehalten als die Breite. Umgekehrt wäre besser, wie die Topvisiere der Szene zeigen.

Silhouetten-Schießen verlangt kräftige Munition, um den 25 kg schweren Widder von seinen breiten Plattfüssen zu reißen. Wie der Silhouetten-Schütze und deutsche Offizier und Gentleman Johannes Fante in aufwendigen Versuchen belegt hat, ist dazu ein Impuls von 1 lbfps notwendig. Alles, was darunter liegt, gilt in der Praxis als unsicher. Ein 158-grs-Geschoss mit einer Ladung, die nahe der erlaubten Druckgrenze liegt, erreicht aus dem 272 mm langen Lauf der Winston 480 m/s. Das entspricht in 200 m Distanz einem Momentum von 0.75. Deutlich mehr ist mit der .357 Magnum auch aus anderen Waffen nicht zu erreichen. Beim Freedom Arms Revolver mit seiner 4.8 mm längeren Trommel lassen sich 180-grs-Geschosse laden. Wer bei seinen mehrfach höheren Wandstärken hohe Drücke riskiert, kann ein Momentum von 0.9 erreichen. Das reicht bei perfekt stehenden Silhouetten gerade noch. Beim Winston ist dies nicht anzuraten. Lageraufbauchungen sind sonst programmiert.

Als weiteres Modell mit 10-Zoll-Lauf bietet Winston eine Version im Kaliber .38 Spezial an. Ich sehe jedoch keinen Sinn in dieser Ausführung.

Natürlich lässt er sich in der Disziplin »Feldpistole« einsetzen. Da wird nur auf die halbe Distanz und viel leichtere Silhouetten geschossen. Aber dies ist die Domäne der Einzellader-Pistolen mit schnellen leichten Geschossen, die viel weniger windempfindlich sind.

  

Praktische Erfahrungen

Die Bedienung ist sehr einfach und logisch. Zum Laden wird die Klappe nach hinten geschwenkt, wodurch die Trommel freigegeben wird. Es ist nicht erforderlich, den Hahn in eine Laderaste zu positionieren. Nun können die Patronen einzeln in die Lager geschoben und die Trommel dabei im Uhrzeigersinn weitergedreht werden. Klemmt eine Patrone, weil sie zu lang ist oder nicht sauber kalibriert, kann die Trommel nicht zurückgedreht werden. Dies ist jedoch bei den meisten Single Action Revolvern so. Allerdings kann in so einem Fall die Trommel mit lediglich zwei Handgriffen entfernt werden. Dass dies beim Testmodell nicht funktionierte, lag an der schluderigen Fertigung bzw. Endkontrolle. 

Beim Schießen mit den beim Silhouetten-Schießen maximal erlaubten fünf Schuss in der Trommel muss die leere Kammer direkt hinter dem Lauf stehen. Wird dann der Hammer gespannt, schiebt sich die erste Patrone hinter den Lauf. 

Etwas Nerven beansprucht das Entladen. Die Trommel rastet bei jeder Hülse ein und in dieser Position blockiert der Ausstoßer zwischen zwei Kammern. Das Ausstoßen funktioniert nur kurz vor dem Einrasten. Ist man über den Punkt weg, muss die Trommel eine knappe Umdrehung – fünf Rasten - weitergedreht werden, um diese Hülse zu entladen. Bei 30 Sekunden zum Laden und in den Anschlag gehen sowie 2 Minuten für 5 Schuss und Entladen kann man da schon mal in Zeitnot kommen. Eine besser angepasste Teilung oder eine Möglichkeit, die Trommel zurückzudrehen, wie bei den Supersonic- oder BFR-Revolvern würde diesen Anachronismus vermeiden.

Der Abzug löst sauber und kriechfrei aus. Der Triggerstopp ist fein einstellbar, sodass jedes Durchfallen eliminiert werden kann. Das Timing von Trommelstopp, Hammer und Abzug war perfekt. Jedes Einrasten erfolgte mit sattem Klacken. Das ist typische ZKR-Konstruktion.

Der Griff besteht aus zwei Halbschalen aus Holz mit Fischhautmuster und kurzer, schmaler Daumenauflage, welche die Regeln nicht annähernd ausnutzt. Ein spezieller Silhouetten-Griff ohne Fischhaut und mit breiter Auflage war jedoch bei der Kleinkaliber-Version zu sehen. Er soll auch für dieses Modell lieferbar sein. Der Rahmen ist für kleine bis mittelgroße Hände geschaffen.

Dank des langen rechteckigen Laufes liegt die Waffe ruhig, vor allem in der Stellung »dead frog«. Bei Ladungen knapp am CIP-Limit schlägt der Winston etwas unangenehm gegen den Mittelfinger und steigt dann hoch. Die Masse von 1.450 kg liegt ein Viertel unter dem erlaubten Limit und wird dadurch unnötig beschleunigt. Die Auswirkungen sah man am Korntunnel, flog er doch schon bei den ersten Schüssen weg. Bei den Versuchen des finnischen Spitzenschützen Esko Lempola machte sich auch das Kimmenblatt selbständig. Den Korntunnel konnte ich nachbiegen. Jetzt hält er, steht jedoch über die Mündung vor, was die Regeln nicht tolerieren. Dies ließe sich jedoch fertigungstechnisch durch Kürzen einfach beheben. Der Kimmenschutz aus 0.5 mm dünnem Federstahl besitzt keinen definierten Anschlag. Als Achse dienen zwei 3-mm-Schrauben mit untergelegten Gummiringen. Ganz heruntergeklappt, verdeckt er das Ziel und muss somit nach Gefühl etwa parallel zum Korntunnel ausgerichtet werden. Leider ist dies nach jedem Schuss erforderlich, da er sich beim Rückstoß aufrichtet. So hat man jedes Mal ein anderes Visierbild oder benötigt unnötig Zeit zum Einrichten.

Das Korn lässt sich recht einfach wechseln, ohne die Treffpunktlage zu verändern. An der Mündung muss dazu lediglich eine Schlitzschraube gelöst und das Korn nach oben herausgezogen werden. Die Kimme muss nach einem Wechsel neu justiert werden. Der Waffe lagen Korne in der Breite 3.0 und 3.5 mm und Kimmenblätter von 2.7 und 3.2 mm bei. Es soll jedoch auch schmalere Ausführungen geben.

Besser wären höhere Kimmenblätter, denn die Waffe schoss im ausgelieferten Zustand schon auf 25 m gut einen Viertelmeter zu tief. Um auf die nächste Silhouetten-Distanz zu treffen, musste die Kimme 3.6 mm hochgedreht werden. Für den Widder auf 200 m reichten dann die Klicks nicht mehr. 

Die Höhenverstellung ist für Westschützen gewöhnungsbedürftig, muss doch die Vertikalschraube zur Erhöhung der Treffpunktlage hineingeschraubt werden (gegen den Uhrzeigersinn). Dies ist prinzipiell kein Fehler, wenn der Einstellschlitz nicht einen halben Zentimeter tief im Gewinde verschwindet wie beim Testrevolver. So wird das Verstellen schwierig. Ab Grundeinstellung mit oben bündiger Verstellschraube passiert bei der ersten Umdrehung recht wenig, denn das Visierblatt bewegt sich lediglich um 0.2 mm nach oben. Danach wandert die Kimme bei jeder Umdrehung 0.8 mm nach oben. Pro Klick sind das 0.1 mm – bei der Visierlinie von 325 mm ein praktischer Wert. Die Seitenverstellung ist praktisch spielfrei und besteht auch aus 8 Klicks pro Umdrehung. Die Verschiebung fällt jedoch rund 20 Prozent geringer aus. 

Die Präzision entspricht einem guten Silhouetten-Revolver. Immerhin gelang es Esko Lempola, bei Windstille die 12 cm hohen Hühnchen auf 200 m wegzuschießen. Der Streukreis ist dadurch lediglich vom Schützen und vom Wind abhängig. Dass ein .357er-Geschoss schon bei 20 km/h Seitenwind um mehr als einen halben Meter abdriftet, ist nicht dem Revolver anzulasten, sondern kalibertypisch. 

  

Zusammenfassung

Der Silhouettenrevolver von Winston ist für die angestrebte Großkaliber-Disziplin nicht besonders geeignet. Die Kombination eines dafür zu schwachen Kalibers mit geringer Wandstärke des Patronenlagers lassen den benötigten Impuls nicht erreichen. Auch die Visiereinrichtung muss noch überarbeitet werden. Details und Endkontrolle entsprechen noch keineswegs dem hohen Anspruch, den die Firma für sich propagiert. Vieles existiert offensichtlich erst als Absichtserklärung. 

Anders sieht es jedoch beim Kleinkaliber-Modell aus, dessen Prototyp schon sehr gelungen wirkte. Leider ist seit Jahren außerhalb des Herstellerlandes noch kein Serienmodell verfügbar. Hoffen wir, dass die Versorgung mit Ersatzteilen besser klappt!

Der Verkaufspreis im Westen kann nur geschätzt werden, da noch kein Importeur existiert. Bei mehr als DM 2000,- ab tschechischem Werk kann man jedoch von der preislichen Luxusklasse à la Freedom Arms ausgehen.

Waffentypus: SA-Revolver
Hersteller: Winston Production s.r.o., Hudcova 78,
CZ-61200 Brno, Tschechien
Importeur: kein Importeur in Westeuropa
Kaliber: .357 Magnum
Lauflänge: 272 mm
Drall: rechtsdrehend
Dralllänge: 476 mm / 18.7 Zoll
Visierung: offene Visierung mit Kimmen- und Korntunnel, Wechselkimmen und -korne
Trommelkapazität: 6 Patronen
Sicherungen: keine
Gesamtlänge: 433 mm
Höhe:
Max. Breite: 38 mm
Gewicht (ungeladen): 1,450 kg
Werkstoff: Stahl
Griffschalen: Holz mit Daumenauflage
Preis (ab Werk CZ): ca. DM 2245,-