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Waffen aus dem deutschsprachigen Raum

 

Kleinkaliber (beginnt hier oben)

Klein- und Grosskaliber

Grosskaliber

Tabelle - Gegenüberstellung

Erschienen in Caliber-Club 4/97:

Neue und wenig bekannte Silhouetten-Waffen

Früher waren zum Schiessen auf Metallsilhouetten Waffen aus den USA erforderlich. Heute bauen europäische Hersteller Pistolen und Revolver, die der US-Konkurrenz Paroli bieten. Wir befassen uns hier speziell mit Konstruktionen aus dem deutschsprachigen Bereich. Dabei sind Ersatzteile in weniger als einer Woche erhältlich; vor Wettkämpfen ein wichtiges Argument.

Beim Metallsilhouetten-Schiessen wird - wie der Name schon sagt - auf Stahl-Silhouetten von Tieren geschossen, die auf unterschiedliche Entfernungen im Gelände stehen. Je 10 Hühner stehen 50 m, 10 Schweine 100 m, 10 Truthähne 150 m und 10 Widder 200 m vom Schützen entfernt. Für jeweils 5 Silhouetten hat der Schütze dreissig Sekunden Zeit zum Laden der Waffe und danach zwei Minuten zum Schiessen. Auf jede Silhouette darf nur ein Mal geschossen werden. Was umfällt, ist ein Treffer; Fehlschüsse gelten als Null. Mit Serienpistolen wird in der Disziplin „Production“ (vorzugsweise liegend) und in der Disziplin „Standing“ stehend geschossen. Dies ist auch mit Revolvern möglich; dazu kommt die Spezialdisziplin dafür, die sinnigerweise „Revolver“ heisst. Auch hier ist die Anschlagart weitgehend frei, sodass liegend geschossen wird. Das Eldorado der Tüftler heisst „Unlimited“. Hier ist nur Lauf- und Visierlänge, sowie das Gesamtgewicht der Waffe festgelegt.Die Silhouetten sind recht schwer - der Widder wiegt rund 25 kg - und stehen auf breiten Plattfüssen. Die Patronen sind somit recht kräftig, um auch in 200 m Distanz die Ziele sicher zu fällen. Bei Revolvern gilt schon .357 Magnum als zu schwach. Die .44 Magnum wird häufig eingesetzt, aber auch so Exoten wie „.357 Maximum“, „.375 Super Mag“ und „.445 E.T.Gates“ sind anzutreffen.

Bei Pistolen gilt die jahrelang dominierende „7 TCU“ als untere Grenze. „7 BR“ und die speziell für diese Sportart entwickelte „7 GJW“ sind auf dem Vormarsch.

Das Ganze gibt es auch noch als Kleinkaliber-Diszipline. Die Einteilung der Waffen ist gleich, jedoch wird die Randzünderpatrone „.22 l.r.“ geschossen. Die Silhouetten sind nur 3/5 so hoch und breit wie bei Grosskaliber und die Distanzen jeweils halbiert.

Früher für Einsteiger gedacht, um mit vorhandenen Pistolen oder Revolver zu schiessen, ist die Disziplin „Fieldpistol“. Sie ist unterteilt in Serienwaffen mit offener Visierung und solche mit optischen Zielmitteln wie Zielfernrohr oder Aimpoints. In beiden Disziplinen wird stehend geschossen . Die Ziele sind halb so gross wie bei den klassischen Grosskaliber-Disziplinen und stehen bis maximal 100m, wie bei Kleinkaliber. Die Patronen müssen Zentralfeuer-Zündung haben und deren Hülse darf maximal 37,3 mm (35,64) lang sein.

Diese publikumswirksame Sportart kommt aus Mexiko, wo auch heute noch im Jahresschnitt fast jeden Tag ein offizieller Wettkampf abgehalten wird. In den 70er Jahren schwappte die Bewegung in die USA herüber, danach nach Europa. Bis Anfang der 90er Jahre wurden hier fast ausschliesslich amerikanische Waffe eingesetzt. Dann boten auch hier Hersteller spezielle Pistolen und Revolver für diese Sportart an. Zuerst für die Kleinkaliber-Diszipline, dann auch für Grosskaliber. Bei KK sind Produzenten aus dem deutschsprachigen Raum sogar dominierend:

 

KLEINKALIBER

TOP

Anschütz, Ulm

Seit gut 15 Jahren liefert der süddeutsche Familienbetrieb die „Exemplar“, eine Zylinderverschluss-Pistole für die „Unlimited“-Disziplin. Der Repetierer verfügt über ein herausnehmbares Magazin und ist mit 10 Zoll- oder 14 Zoll-Lauf lieferbar. Nachdem der Weltverband IMSSU (International Metallic Silhouette Shooters Union) auch bei „Production“ den Zylinderverschluss erlaubte, jedoch die maximale Waffenlänge limitierte, kürzte Anschütz die Exemplar und bot sie als Variante „1416 P kurz“ an. Silhouetten-Schützen überzeugte dieser Schnellschuss nicht, denn die Lauflänge war rund 95 mm kürzer als erlaubt und die Visierlänge konnte auch nicht ganz ausgenutzt werden. Also wurde völlig neu entwickelt. Weihnachten 96 konnten die ersten MSP-Modelle (Metall-Silhouetten-Pistolen) dann ausgeliefert werden.

Die „Production“ nutzt die Regeln bis auf den letzten Millimeter aus. Basis ist der Verschluss 1416 des Matchgewehres. Daran wurde ein neuer Abzug - Modell 5101 - befestigt, der das Züngel 56 mm nach vorne verlegte. Der völlig neu geschaffene Griff ist eigentlich ein Schaft. Jetzt muss in der Liegendposition das Bein nicht mehr am Lauf angelegt werden. Der Vorderschaft reicht fast bis zur Laufmündung und ist seitlich angeschrägt, zur Anlage und unten plan für eine Auflage. Die Punzierung verhindert ein Abgleiten. Der eigentliche Griff steht optimal senkrecht und verfügt links über eine breite Daumenauflage. Dadurch ist er auf Rechtsschützen ausgelegt. Die Abzugszunge lässt sich um 20 mm verschieben, woraus ein Griffmass von 60 - 80 mm resultiert. Die Auslösekraft liegt bei 300 g und lässt sich - mit anderer Feder - bis auf 1400 g erhöhen. Auch die Visierung wurde neu konstruiert. Wo früher ein einfaches Korn mit einem kleinen Schutz aus Federstahl war, prangt heute ein richtiger Korntunnel mit Einsätzen von 2 - 2,6 mm Breite. Die Kimme wird durch einen 105 mm langen Tunnel geschützt. Dieser ist hochklappbar und hat auch eine definierte Normalposition. Ein Klick der Höhenschraube ergibt eine Treffpunktverlagerung von lediglich 10 mm auf 100 m. Dass die einzelnen Klicks regelmässig ausfallen und reproduzierbar sind, war schon vom Vorgänger bekannt; dieses Visier lässt sich nur noch etwas feiner verstellen. Das Wichtigst an der neuen Visierung ist allerdings der handhabungssichere Regen- und Sonnenschutz. Die „Production“ liegt stabil im Anschlag und ermöglicht eine entspannte Haltung.

Die neue „Unlimited“ ist - genauso wie die „Production“ kein Repetierer mehr, sondern ein Einzellader. Die meisten Silhouetter misstrauen den Magazinen und laden auch die alte Exemplar einzeln. Ein Repetierer wäre mit dem vorgelegten Abzug sowieso nicht mehr möglich. Wer darauf wert legt, kann die alte Exemplar mit Magazin und neuem Visier ordern. Da bei Unlimited die Waffe nicht der Serie entsprechen muss, kann der Schütze selber den Vorderschaft verlängern, den Griffwinkel ändern etc. Der neue Einzellader ist da schon nahe am Optimum; schliesslich haben einige rennomierte  Schützen ihre Ideen einfliessen lassen. Auf der IWA´96 wurde sogar eine Variante gezeigt, die es auf gelbe WBK gibt und die auch den internationalen Regeln entspricht. Die wird allerdings nicht von Anschütz fertiggestellt. Interessenten können sich bei der Redaktion melden.

Ähnliche Merkmale, aber einen anderen Verschluss hat die Feldpistole. Die korrekte Bezeichnung ist: „1730 MSP E Field“. Das Kaliber ist „.22 Hornet“. Die massivere Verschlusshülse bedingte ein gnadenloses Abspecken des Schaftes. Nicht nur Querbohrungen wurden gesetzt; auch der Griff wurde ausgehöhlt. So konnte ein Gewicht von 1,8 kg realisiert werden. Für die Scoped-Disziplin bleiben - nach Demontage der offenen Visiereinrichtung - knapp 400 g für ein Zielfernrohr mit Befestigungs-Ringen. Nicht gerade üppig, die Gewichtsreserve, aber mit geschickter Planung lässt sich ein gutes Glas montieren. Eine 11 mm -Schiene dafür, ist schon vorhanden.  Mit stabilen EAW-Ringen aus Alu und einem Gewehrglas für mittleren Augenabstand wird das Limit von 2040 g für diese Disziplin noch nicht überschritten. Wichtig ist der vordere Anschlag der Schiene, der ein Wandern des Glases verhindert. Die Hornet-Patrone hat zwar keinen grossen Rückstoss, aber er ist sehr schnell. Ohne Anschlag an der Schiene wandert jedes Glas, auch wenn die Stahlschrauben bis zum Abriss angezogen werden. Bei der Anschütz ist keine Gefahr - ein praktisches Detail!

Das Hornet-Kaliber ist sehr präzise und weit weniger windempfindlich als die 9 mm-, 38er- oder 44er-Patronen. Leider gibt es die Waffe nicht im Trend-Kaliber „K-Hornet“, das auf 55 gr.-Geschosse optimiert ist. Trotzdem sollte niemand auf die Idee kommen, in normale Hornet-Hülsen die schweren Geschosse zu verladen. Mit dem kleinen Hülsen-Volumen können die erforderlichen Geschwindigkeiten nicht erreicht werden und der Lauf stabilisiert mit seinem langen Drall die langen Projektile nicht.

So gut die Anschütz „Field“ für die beiden Feldpistolen-Diszipline geeignet ist, sieht man gerade daran, wie weit sich die Disziplin von der Gebrauchspistole entfernt hat. Noch hat zwar niemand die Traummarke „40 Treffer von 40 möglichen“ erreicht, aber lassen wir uns überraschen: die Europameisterschaft läuft soeben in der Tschechischen Republik. Da werden allerdings an der Spitze die Contender und Wüthrich in den 22er-Kalibern „Hornet“ und „K-Hornet“ vorherrschen. Die Anschütz ist eben erst auf den Markt gekommen.

 

Rhöner (SM)

Rhöner Sportwaffenbau in Oberelsbach-Weisbach ist unter dem Kürzel „SM“ (Sportwaffen & Munition) bekannt. Meist denkt man dabei an Gas- und Knallwaffen.

Die wenigsten kennen die Freipistole mit dem Knickspanner-Verschluss, die an die alte Hämmerli 120 erinnert. Schon 1990 wurde eine Variante davon als Silhouetten-Modell angeboten. Neben dem einfachen Grundmodell mit steilerem Griff und langem Vorderschaft präsentierte der Werkleiter Hermann Grob Anfangs ´92 noch eine Top-Version, das Modell „Tristar G“. Der Name soll zeigen, dass damit erfolgreich in drei Disziplinen gestartet werden kann, das „G“ soll jedoch nicht auf den sensiblen Abzug hinweisen, sondern auf einen Silhouetten-Schützen.

Dass die Bezeichnung Tristar stimmt, stellte ich an der ersten Weltmeisterschaft in Grasse fest, wo mir ein Klassensieg bei „Production“ mit 39 Treffern gelang. Der Finne Nokio Jari setzte dem einen drauf, als er an Worldcup und EM ´95 sogar die „Unlimited“-Disziplin gewann. Dies mit 40 Treffern und danach vier Stechen!

Trotzdem ist die Rhöner-Pistole kaum bekannt. Durch ihren Verschluss ist sie einfach zu bedienen. Wird der Hebel links zurückgeschwenkt, öffnet der Verschluss und die KK-Patrone wird eingelegt. Beim Zurückschwenken wird gespannt und der Verschluss geschlossen. Der Abzug ist nicht einfach einzustellen und lässt Auslösekräfte von weniger als 100 g bis über 500 g zu. Vom Werk wird er auf 400 g eingestellt; ein guter Wert. Nach einiger Zeit sollte die Scheibe Nr. 2-21 (Bedienungsanleitung) entfernt werden. Sonst kann es bei harten Patronen zu Zündversagern kommen.

Konstruktionsbedingt lässt sich das Abzugszüngel nicht verschieben; das Griffmass ist jedoch mit 67 mm meist optimal. Ein zusätzlicher XL-Griff hilft bei langen Fingern weiter. Für die Stehend-Disziplin lässt sich der Griff der Freipistole mit flacher Neigung  montieren. Ich benutze auch da den Normalgriff und packe mit der linken Hand den Vorderschaft weit vorne. Mir liegt dieser Anschlag besser.

Der Vorderschaft hat links eine Punzierung bis zur Laufmündung zur Beinanlage in der Creedmoor-Stellung; für „Dead Frog“ ist unten eine plane Fläche. Auch vom Griff her mit der linken Daumenauflage also eine Pistole für Rechtsschützen.

Das Beste an der Rhöner-Pistole ist die Visierung. Da war sie Vorreiter. Auf dem schwingungsoptimierten Lauf ein Korntunnel für Anschütz-Einsätze, auf dem Verschluss das bekannte Anschütz-Visier mit einem einem 100 mm langen Tunnel aus Federstahl. Dieser hat einen definierten Anschlag, sodass das Visierbild immer gleich aussieht. Zum bequemen Verstellen des Visiers lässt sich der Schutz senkrecht hochklappen.

Für 1240.- DM erhält man eine konkurrenzfähige Pistole für drei KK-Diszipline im Silhouettenschiessen. Sie ist gefällig matt verchromt und einfach zu bedienen. Dass sie noch recht wenig bekannt ist, liegt sicher nicht an ihren überragenden Qualitäten.

Das einfachere Standardmodell ist zwar noch 300.- DM billiger, jedoch nicht so preiswert durch die nicht annähernd so gute Visierung und den kürzeren, zylindrischen Lauf.

Nachtrag der Redaktion: Leider existiert die Firma seit 1999 nicht mehr. Die Pistolen von SM gelten heute als gesucht Sammler-Raritäten!

Weihrauch, Mellrichstadt

Nach Arminius, dem germanischen Bezwinger von Varus römischen Legionen, sind die Revolver von Weihrauch benannt. Ein stilisiertes Portrait ziert deswegen die linke Seite der Griffstücke. 1977 kam der erste Weihrauch-Revolver mit dem Griffstück „HW-9 ST“ auf den Markt, bestehend aus der Stahllegierung 42 CrMo4. Mit einem erstmals eingeschraubten 10 Zoll-Lauf wurden die ersten Silhouetten-Modelle nach Amerika geliefert. Als die USA für Importe auch bei Revolvern manuelle Sicherungen verlangten, stellte man diese Export-Variante ein.

Vor sechs Jahren überredeten Mitglieder der Metall Silhouetten Schützen Schweiz (MSSS) Hans-Hermann Weihrauch zu einem neuen Silhouette-Modell. Damit starteten sie an der Europameisteschaft in Baumholder. Nach dem Klassensieg damit von Doris Latz perfektionierte man weiter bis zum heutigen Modell.

Auch hier gibt es eine Standard- und eine Luxusversion. Unterschiede sind genauso wie bei Rhöner in Lauflänge, Oberfläche und Visierung. Ich beschränke mich hier auf die teurere, aber preiswertere Variante. Diese ist matt verchromt, hat einen 10 ¾ Zoll-Lauf und hinten eine Fremdvisierung, wahlweise von BoMar oder Wüthrich. Vorne ist ein aufgeschraubtes Korn, das es in unterschiedlichen Breiten gibt. Als Schutz dient ein aufschiebbarer Tunnel aus Federstahl. Hinten schützt ein 125 mm langer Visiertunnel, der unten sauber einrastet und sich zum Verstellen der Visierung hochklappen lässt. Die Visierlinie ist 325 mm lang; ein Klick der Höhenschraube verschiebt die Treffer um 15 mm auf 100 Meter Schussdistanz.

Der Abzug hat eine neue Feder erhalten, sodass bei Single Action schon bei 500 g ausgelöst wird. Die Konstruktion ist so raffiniert, dass diese Reduzierung nicht auf Kosten der Schlagkraft des Hammers geht. Die Abzugskraft erscheint durch den 9 mm breiten Abzugsschuh noch geringer und kann mit einer Schraube unter dem Griff bis zu 200 g höher einreguliert werden. Der Abzugsschuh war einige Zeit Zankapfel bei der Regelauslegung, ist jedoch seit Mitte ´96 offiziell durch die IMSSU zugelassen.

Im Liegendanschlag verhält sich der Weihrauch gutmütiger als alle anderen Revolver. Dies ist auf ein kleines Detail zurückzuführen: Unten am Lauf und auf der linken Seite ist je eine längsgerippte Visierschienen befestigt. Diese liegt griffig am Bein an und rutscht weit weniger als ein glatter Lauf. Zusätzlich bringt dies schwingungstechnisch einige Vorteile und vergrössert die Oberfläche. Diese Vorteile dürften allerdings mehr theoretischer Natur sein.

Als DA-Konstruktion ist die Trommel ausschwenkbar; ein nicht unwichtiger Vorteil im Wettkampf. Wer schon mal eine Patrone hatte, die nicht zündete, weiss, was ich meine. Bis bei einer festen Trommel entladen, ein Schuss nachgeladen und hinter den Lauf gebracht ist, vergeht einige Zeit. Wer dann noch sauber schiessen kann und danach alle Kammern einzeln entlädt, dürfte schon nicht mehr im Zeitlimit liegen. Beim Weihrauch ist dies alles kein Problem. Die 17 mm Hub des Ausstossers lassen die KK-Hülsen nur so herausschiessen. Zum Entriegeln der Trommel sollte die Trommelachse nach vorne gezogen und anschliessend wieder sanft eingerastet werden. Benutzt man nur den Schieber, ratscht die Achse über die Nute der Transportklinke. 

An meinem Modell hat die Trommel knapp 0,2 mm radiales Spiel; axial ist es unmessbar, bei gespanntem Hahn. Mit einem Griffmass von 66 mm liegt der Revolver vor allem kleinen und mittleren Händen. Für grosse Pranken wird ein Large-Modell angeboten. Das Spannen geht dank des gerippten Hahnsporns recht einfach; der Daumen verschwindet dabei teilweise im Kimmentunnel. Mit 25 mm Breite ist jedoch genügend Platz vorhanden. Der Abzug löst trocken aus und kann mit einer Imbusschraube als Triggerstop gegen Durchfallen fein einreguliert werden. 

Der Weihrauch-Revolver ist mit 1500.- DM ein guter Kauf für Anfänger wie Experten. Anfänger lieben die einfache Handhabung und die Möglichkeit , damit in den vier Disziplinen „Revolver“, Standing“, „Production“ und „Unlimited“ starten zu können. Experten setzen für die letzten beiden Diszipline spezielle Pistolen ein, erhalten jedoch für das Geld einen KK-Revolver, der weit teurere Konstruktionen schlagen kann.

 

KLEIN- UND GROSSKALIBER

TOP

Wüthrich, Schweiz

Für die unterschiedlichen Diszipline im Silhouetten-Schiessen mit unterschiedlichen Lauflängen und Kaliber wollen die Schützen gerüstet sein, können jedoch nicht sofort spezielle Waffen dafür anschaffen. In den USA entwickelte Thompson/Center deshalb die „Contender“-Pistole, eine Kipplauf-Konstruktion mit Wechselläufen. Sie war - durch Gusstechnik - billig zu erwerben und Läufe gibt’s für fast jeden Zweck. Deshalb ist die Contender auch heute noch das „Arbeitspferd der Silhouetter“.

In Europa ist vieles davon nicht so einfach zu erhalten; das Feldpistolen-Kaliber „K-Hornet“ ist schon länger nicht mehr lieferbar, „7 GJW“-Läufe liefert nur der Zulieferer Bullberry, sodass damit nicht unter „Production“ gestartet werden kann und der günstige Preis relativiert sich, da eine Visierung von Lansing und BoMar für gut 300.- DM pro Lauf unbedingt erforderlich ist.

Dies rief Walter Wüthrich aus dem schweizerischen Lützelflüh, auf den Plan. Er schuf die „Swiss Contender“, ein ähnliches System, aber nach mitteleuropäischen Qualitätsvorstellungen. Bekannt ist Wüthrich durch seine kleine, feine Maschinenfabrik in der seine Sicherheits-Blockbüchse hergestellt wird. Daneben produzierte er noch eine elegante Kipplaufpistole für Liebhaber. Zwei davon lieh er der MSSS für die EM 93 in Finnland. Ausgerüstet mit einem Propoint und einem 4-fachen Gewehrglas holten die zwei Schützen mit 27 und 29 Treffern zwei Klassensiege. Dies war für Wüthrich ein Argument, die Konstruktion völlig zu überarbeiten.

Es entstand ein 25 % grösser dimensioniertes Griffstück, das „Heavy Frame“ aus der Chrom-Nickel-Legierung ECM 35. Die tragende Fläche des Scharnierbolzens wurde sogar auf rund 170 % erhöht. Viele Silhouetter brachten Ihre Ideen ein, der Maschinenbau-Doktor Ludwig Dreilich hatte die zündende Idee zur Reduzierung der Spannkraft und gleichzeitiger Erhöhung der Zündenergie. Jetzt spannen zarte Frauenhände die Wüthrich problemlos und sogar die harten Zündhütchen der GP11 führen zu keinen Versagern.

Die Bedienung ist sehr einfach: Wird der 16 mm grosse Entriegelknopf gedrückt, kann der Lauf abgekippt werden. Der robuste, zwangsgesteuerte Auszieher befördert dabei auch randlose Hülsen sicher aus dem polierten Lager. Jetzt kann die neue Patrone eingeführt und der Lauf  durch hochkippen geschlossen werden. Nach Spannen des Hahnes kann geschossen werden. Ist der Verschluss nicht ganz eingerastet, blockiert der Abzug. Fällt die gespannte Waffe herunter, wird der Hahn in einer Sicherheitsraste gefangen. Unter der linken Griffschale lässt sich der Abzugswiderstand mit einer Schraube im Bereich von 500 - 1500 g regulieren und danach mit einer 7er-Mutter kontern. Der Triggerstop ist in der Rahmenbrücke einstellbar. Der 10 mm breite Abzug löst ohne Kriechen aus und bleibt danach trocken stehen.

Läufe können sehr einfach gewechselt werden. Zuerst wird die Schraube des Vorderschaftes gelöst. Diese fällt dann nicht etwa heraus, sondern wird von einem O-Ring unverlierbar festgehalten. Danach wird die Fixierung des Querbolzens gelöst und dieser kann herausgedrückt werden. Dafür liefert Wüthrich ein Werkzeug mit: ein Alu-Bolzen mit einem Teller, um ohne Kraft drücken zu können. Sogar die Berührungsfläche zum Bolzen hin ist konkav, um nicht abzurutschen. Dass der Knauf sauber gerändelt ist und das ganze Werkzeug rot eloxiert, verwundert da nicht mehr.

Jetzt kann der Lauf - durch Drücken des Verriegelungs-Knopfes - entfernt werden und der neue wird eingebaut. Schnelle Schützen benötigen dazu keine halbe Minute; vorsichtig agierende lassen sich zwei Minute Zeit. Wenn das nicht reicht - schliesslich ist zwischen den einzelnen Starts eine Pause von mindestens einer Viertelstunde!

Die Läufe sind leicht konisch gedreht und anschliessend überschliffen. Luxuriös ist die achtkantige Ausführung, die genauso konisch ausgeführt ist. Dies zu einem Aufpreis von moderaten 170.- DM. Die Vorderschäfte sind aus Nussbaum und stützen sich nur hinten ab, um den Lauf schwingen zu lassen. Für Rechtsschützen ist die linke Seite mit einer feinen Fischhaut versehen. Aus Nussbaum bestehen auch die Griffschalen. Da das Abzugszüngel nicht verschiebbar ist, sind für grosse Hände fülligere Schalen oder auch Rohlinge lieferbar. Das Griffmass ist 66 mm und mit dünnem Griff für kleine und dicken Seiten auch für ziemliche Pranken geeignet. Praktisch die Daumenauflage - links für Rechtschützen - rechts für Linksschützen.

Die Silhouetten-Ausführung verfügt über einen festmontierten Korntunnel für Anschütz-Einsätze. Diese gibt es in Breiten von 1,7 - 3 mm und sie können gewechselt werden, ohne die Treffpunktlage zu verändern. Hinten sitzt ein Mikrometer-Visier aus eigener Fertigung. Früher wurde zugekauft, aber der Ärger über andere Qualitätsvorstellungen war zu gross. Je nach Lauflänge verschiebt ein Klick die Treffer in 100 m Distanz um 12 oder 17 mm. Schutz vor Sonne und Regen, aber auch härteren Widrigkeiten bietet ein Tunnel aus 0,8 mm dicken Federstahl. Die Verstellung der Höhenschraube erfolgt über ein grosses ovales Fenster, deutlich vor dem Kimmenblatt. Ich hatte Bedenken, dass der Schutz dadurch gemildert würde, jedoch die Praxis widerlegte dies. Als beim BDMP-Eröffnungsmatch Ende ´96 meine Unlimited mit Zylinderverschluss im Sand von Leopoldsburg versagte, blieb mir nur die grob eingeschossene Wüthrich im Kaliber „7 GJW-R“. Trotz Regen und böigem Seitenwind erreicht ich - mit einem guten Spotter - die Maximalzahl von 40 Treffern und den ersten Platz. Der Tunneleinschnitt liess keinen Regen an die Visierung; die theoretisch besseren Zylinderverschlüsse hätten nicht besser treffen können.

Für Kleinkaliber wird kein umschaltbarer Hahn zur Randzündung benötigt. Der Lauf ist lediglich um 3 mm höher im Monoblock gelagert. So schlägt der Bolzen auf den Rand. Um das Gesamtgewicht nicht zu überschreiten, ist der Block mit einer dekorativen Fase versehen. Die Production-Ausführung - mit 10 ¾ in. Lauf - liegt ca. 80 g unter dem vorgeschriebenen Gewichtslimit. Für „Unlimited“ kann der maximal erlaubte 15 in. Lauf eingesetzt werden. Er schiesst nicht präziser, aber die Visierlänge ist, mit 380 mm Abstand zwischen Kimme und Korn, grösser. Dadurch werden Zielfehler etwas reduziert.

Für die beiden Feldpistolen-Diszipline ist die Wüthrich geradezu prädestiniert. Wer seine Munition fertig im Laden kauft, nimmt die Ausführung im Kaliber „.22 Hornet“. Wiederlader greifen besser zur „K-Hornet“. Diese Wildcat wurde in den 40er Jahren von Lysle Kilbourn entwickelt und hat eine aufgeblasene Schulter. Bei gleichem Innendruck und gleicher V0 kann statt des üblichen 45 gr.-Geschosses eines von 55 gr. benutzt werden. Durch die deutlich höhere Querschnittbelastung und den geringeren Luftwiderstand ist die Flugbahn flacher als bei der normalen Hornet-Patrone. Viel wichtiger ist jedoch die rund 40 % geringere Windabdrift. Bei Seitenwind auf die 75 m- und 100 m-Ziele ist das ein gewichtiges Argument.

Die Feldpistole mit offener Visierung  hat das normale Wüthrich Silhouettenvisier. Ein Klick verschiebt die Treffpunktlage auf der maximalen Distanz um 17 mm pro Klick. Bei einer Rumpfhöhe des Widders von 120 mm ist dies genügend genau. Damit liegen mindestes fünf Klicks auf dem Rumpf; das reicht für jedes shoot off.

Für „Field scoped“ liefert Wüthrich einen Lauf mit 11 mm-Schiene mit Anschlag. Für mich ist das die Traumwaffe dieser Disziplin. Ich bin jedoch voreingenommen. Nach einigen ersten und zweiten Plätzen an internationalen Wettkämpfen und der Broncemedaille an EM ´95 und Worldcup (35 Treffer) für mich mittelprächtigen Stehendschützen ist dies vielleicht verständlich. Mehr habe ich zur Feldpistole nicht zu sagen, ausser vielleicht: Mit der K-Hornet und optimal montiertem Glas liegt die Trefferlage auf allen Silhouetten-Distanzen innerhalb von +/- 2 cm. Da entfällt das Kurbeln am Visier; eine Einstellung reicht für alle Ziele!

Auch bei Grosskaliber hat die „Production“ einen 10 ¾ in. Lauf und die „Unlimited“ einen von 15 Inches. Als Kaliber wird ausschliesslich „7 GJW“ angeboten. Dies mit und ohne Rand. Die Randausführung halte ich jedoch für nicht mehr sinnvoll, da die „S.M.“ (früher Munitionsfabrik Thun) randlose Hülsen in ausgezeichneter Qualität herstellt. Als Bodenstempel prangt CIP-gerecht „7x49 GJW“, in Silhouettenkreisen wird jedoch abgekürzt. Fertige Grosskaliber-Munition zum Silhouetten-Schiessen gibt es in keinem sinnvollen Kaliber. Für Wiederlader ist dies jedoch kein Problem. Schliesslich sind genügend Ladedaten bekannt und die DEVA hat für dieses Kaliber - wie auch für die K-Hornet - eine Messlauf. Die Flugbahn ist bis 200 m so flach, dass bei Unlimited nur beim Widder das Visier verstellt werden sollte. Beim kürzeren Production-Lauf muss evtl. auch noch beim Truthahn um ca. 3 Klicks hochgedreht werden.

Das Wüthrich System ist eine preiswerte Möglichkeit, in mehrere Silhouetten-Diszipline einzusteigen. Schon mit zwei Läufen könne je drei Klein- und Grosskaliber-Diszipline belegt werden (Production, Standing und Unlimited). Verarbeitung und Schusspräzision sind exzellent und der Preis dafür nicht überzogen. Eine komplette Pistole kostet rund 2200.- DM; ein Silhouetten-Lauf mit Mikrometervisier, Kimmen und Kornschutz, sowie Nussbaum-Vorderschaft 1050.- DM.

 

GROSSKALIBER

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SARDEC, Schweiz

Schon kurz, nachdem der Silhouetten-Weltverband IMSSU für die Production- Disziplin den Zylinderverschluss erlaubt hatte, trat die schweizer Denkfabrik mit einer Studie über eine futuristische Silhouetten-Pistole im Kaliber „7 GJW“ an die Öffentlichkeit (siehe Caliber 5/93). Ausser einigen Prototyp-Modellen sah man danach längere Zeit nichts. Dies nutzte zuerst Robert G. Chombart mit seiner Excalibur und danach Aseppä Löpponon mit seiner Loppo, die auch einen Zylinderverschluss einsetzten. Die französische Konstruktion modifizierte dafür einen Gewehrverschluss und setzte das Abzugszügel auf einen Extender; der Finne verwandte einen Tikka- Gewehrverschluss mit umgelenktem Abzug. SARDEC (Swiss Acoustic Research and Development Engineering Company) ist jedoch für ihre unkonventionellenen Lösungen bekannt. Wie zu Beginn des CD-Zeitalters, als sie einen - heute noch wegweisenden - Studiolautsprecher entwickelten, lösten auch diesmal externe Spezialisten Detailprobleme.

Basis der Silhouetten-Pistole ist ein völlig neu konstruierter Verschluss. Bei den bekannten Modellen ist der verwendete Gewehrverschluss recht schwer und der Abzug liegt zu weit hinten. Das Umlenken der Abzugskräfte ist konstruktiv unbefriedigend und bringt mehr Reibung, Anfälligkeit und unnötige Masse. Das hohe Gewicht des Gewehrverschlusses muss durch Abspecken des Laufes kompensiert werden, sodass dieser zu stark schwingt. Natürlich lässt sich auch ein stabiler Gewehrverschluss noch erleichtern, aber dies geht meist auf die Festigkeit und beeinflusst das Schwingungsverhalten auch nicht gerade positiv. Folglich war es für die Schwingungsexperten von SARDEC nur logisch, einen eigenen Verschluss zu entwickeln.

Ausgangspunkt ist ein 35 mm dicker Zylinder aus der Raumfahrtlegierung Ti6A4V, einem Gemisch aus 90 % reinstem Titanium, 6 % Alu und 4 % Vanadium. Die Festigkeit liegt bei der von besten (rostenden) Stählen und das spezifische Gewicht erreicht nur 54 % davon. Zusätzlich kann das Material nicht rosten, ist antiallergisch und dämpft Schwingungen hervorragend. Weshalb es trotzdem wenig verwendet wird, liegt an der aufwendigen Bearbeitung und dem hohen Preis.

Was zuerst auffällt, ist das lange Auswurfenster auf der linken Seite. Da können Patronen des Kalibers „7 GJW“ mit ihren 75 mm Länge  oder selbst die schweizer Militärpatrone „GP 11“ (7,5 x 55 swiss) quer reingeschoben und auch wieder entladen werden. Beim Auswerfen von Hülsen fallen diese dem Schützen in den Schoss und werden nicht mehr beschädigt. Direkt über dem Fenster sitzt das Visier. Ein Sockel ist unnötig; spezielle Ausfräsungen nehmen direkt eine Kimmen-Wippe auf. Deren Oberkante sitzt somit nur 25 mm über der Laufseelenachse. Die Passungen können sehr eng gehalten werden, denn die Wärmeausdehnung der Legierung ist weit geringer als bei Stahl und nur ein Bruchteil von Aluminium. Vor und hinter der Visierung verläuft eine Schiene mit Arretierstollen. So kann ein Glas montiert werden, ohne die Visierung zu demontieren. Die ist nicht nur für Tester, sondern auch zur Optimierung der Munition wichtig. Eine genau darauf abgestimmte Montage wird gleich mitgeliefert. Ist das ZF nicht montiert, kommt der Titan-Kimmentunnel aus darauf. Der Kammerstengel ist rechts und wird beim Verriegeln in einer Kulisse geführt. Die ersten 30 Grad werden zur Führung der Patrone ins Lager benutzt. Das entspricht gut 3 mm Weg mit hoher Schliesskraft, sodass ein Sandkorn nicht zum Blockieren führt. Die 60 Grad danach sind reine Verriegelung.

Sinnvoll ist die Zwangsführung beim Auswerfen von Patronenhülsen. Hat sich ein Sandkorn eingeschmuggelt, sitzt die Hülse hartnäckig im Lager. Hier wird sie mit einer grossen Untersetzung zwangsweise aus dem Lager gezogen.

Der Abzug ist eine Sonderkonstruktion in einem Gehäuse aus 10 mm dickem Titan. Dieses ist nur 15 mm hoch und legt das Abzugszüngel sehr nahe an die Laufseelenachse. Einstellen lässt sich daran Übergriff, Vorzug und natürlich die Abzugskraft. Er benötigt keinen Extender, da er schon an der richtigen Stelle eingebaut wurde. Dies ist zwar für „Unlimited“ nicht so wichtig, aber die Anordnung ist für die Production- Disziplin optimiert. Bei Ausnutzung aller Masse wird ein10 ¾ in.-Lauf montiert, ohne die festgelegte Gesamtlänge zu überschreiten. Auch die maximal erlaubte Visierlänge kann ausgenutzt werden, sogar mit langen Tunneln.

Der 27 mm dicke Stainlesslauf wird in die Verschlusshülse geschraubt. Wenn er auch nicht die Festigkeit der Titanlegierung erreicht, ist doch sehr resistent gegen heisse Pulverpartikel. Auch werden Schwingungen - durch unterschiedliche E-Module - gut über die Hülse an den Schaft abgeleitet. Der Lauf selber ist schwingungsoptimiert, so dass unterschiedliche Laborierungen oder starke Temperaturschwankungen weit weniger Einfluss haben als bei zylindrischen Läufen. Der Korntunnel ist fest montiert und die Korne lassen sich wechseln, ohne die Treffpunktlage zu beeinflussen.

Das Verschlusssystem wird direkt mit dem Schaft vergossen und besitzt Röhrchen zu Führung und Kraftaufnahmen der beiden Systembefestigungsschrauben.  Bei Benchrest- Büchsen ist dies der neueste Trend. Der Schaft hat links eine breite Daumenauflage und bis fast zur Mündung einen rauhe Beinanlage. Er ähnelt dabei stark den neuen Anschütz KK-Pistolen. Der Abzugsbügel ist allerdings links ganz geschlossen. Das Züngel wird von rechts in einer Mulde erreicht. Diese Höhle hat praktische Gründe: Bei einem normalen Abzugsbügel herrscht Durchzug. Durch den Venturi-Effekt (Querschnittverengung) tritt erhöhte Windgeschwindigkeit auf. Diese kühlt den Abzugsfinger ab und verwirbelt eventuellen Sand, der bis in die Abzugsmechanik dringt. Ist der Durchgang geschlossen, herrscht Windstille, wie in einem Hauseingang und Sand setzt sich höchstens unten im Bügel ab, wo er kein Unheil anrichten kann.

Selbstverständlich besteht das Schloss auch aus Titan. Der eigentliche Schlagbolzen ist ein eingesetzter Hartmetallstift. So können sehr schnelle Auslösezeiten realisiert werden. Ich halte dies jedoch nicht für so wichtig.

Neben dem eleganten Design ist die Farbe wichtig und die kommt von der Schweizer Uhrenindustrie. Precicoat in La Chaux de Fonds veredelt - wie schon bei der Jubileums- SIG - die Oberflächen. Nach glasperlen und polieren wird Titaniumnitrid aufgebracht. Verschiedene Farben sind möglich und die Waffe ist so beständig gegen Kratzer wie ein beschichteter Bohrer. Diese Langzeitkonservierung ist auch sinnvoll, denn der Preis der Waffe liegt bei sFr. 5000.-. Für eine IPSC-Pistole wäre das normal; im Silhouetten- Bereich hat man sich noch nicht an solche Summen gewöhnt. Dass die Waffe in einem handgearbeiteten Lederkoffer geliefert wird, gehört zur Exklusivität. Ich halte die SARDEC- Pistole für preiswert, denn soviel kostet allein die Teilnahme an der jetzt laufenden Europameisterschaft!

Streukreise
Über die Präzision der Waffen wurde noch nichts gesagt. Dies lässt sich jedoch pauschal abhandeln. Gute Silhouetten-Pistolen für die Patrone .22 l.r. schiessen bei 10 Schüssen Streukreise um 30-40 mm auf 100 Meter Distanz. Dabei kann schon mal ein Ausreisser von 50 mm dabeisein. Die besten Waffen verkleinern die Streuung auf 20 mm, allerdings nur mit der passenden Munition. Dabei ist nicht nur der Hersteller, sondern auch das Produktionslos wichtig. Eingespannt schoss die getestete Anschütz Unlimited 10er Streukreise zwischen 20 mm und 60 mm. Die geringesten Streuungen wurden mit einem Los RWS Standard und einem Eley Tenex Los erzielt. Die Tenex- Patronen kosten das fünffache. Interessanterweise  schoss die Anschütz Production mit fast 50 % kürzerem Lauf mit der selben Tenex leicht besser, aber mit der RWS 44 mm, also gut doppelt so schlecht. Mit der einfachen Lapua waren die Streuungen sehr gering; die gleiche Patrone in der Unlimited brachte jedoch nur durchschnittliche Ergebnisse. Nimmt man die Rhöner Pistole und den Weihrauch- Revolver dazu, bleibt nur die Konsequenz, die eigene Waffe mit unterschiedlichen Patronen und deren Losen zu erproben und von der passenden sofort eine Kiste zu kaufen. Was die Erprobung auch noch zeigte: 5er-Streukreise ergeben zufällige Ergebnisse; 10er-Serien ergeben eine Tendenz, die auch von 50er-Streuungen nicht mehr allzuviel abweichen.

Die erprobten KK-Pistolen von Anschütz, Rhöner und Wüthrich streuen auf 100 Meter mit 10 Schüssen und der optimalen Munition rund 20 mm (Kaliber abgezogen). Eine 50er-Serie liegt rund 50 % höher. Beste Revolver - wie der Weihrauch - schaffen mit ausgesuchter Munition rund 30 mm. Mehr ist durch den Freiflug und Luftspalt auch mit weit teureren Konstruktionen nicht zu schaffen. Nicht vergessen sollte man bei dieser Millimeter-Klauberei, dass der Widder-Rumpf in 100 m Distanz schliesslich 120 mm hoch ist.

Bei Feldpistolen mit der normalen Hornet oder der K-Hornet schiessen Anschütz und Wüthrich 22 - 25 mm Streuung. Dies entspricht etwa 10 % der Windabdrift bei 5 m/s (18 km/h) Seitenwind.

Bei Grosskaliber (und Field) ist ein festes Einspannen unmöglich. Die Rückstoss-Energie würde die Waffe beschädigen. Also muss - aufgelegt auf Sandsäcke - mit einem starken Zielfernrohr geschossen werden. Dabei macht der Zielfehler schon mehrere Millimeter aus. Wer glaubt, keinen Zielfehler zu haben, soll beim jährliche Pfennigschiessen von Werner Pöhlert in Worms antreten. Dort sind schon viele mit teuren Gewehren und null Treffern nach Hause gefahren. Der Rekord mit der Silhouetten-Pistole liegt bei 4 Punkten von 6 möglichen.

Mit einem 30fachen ZF auf  sehr guten Silhouetten-Pistolen erreiche ich 10er-Streukreise auf  200 Meter von 50 mm. Bis vor kurzem hielt ich dabei meinen Schützenfehler für gering. Mit der selben Waffe und Munition schoss kürzlich Patric Lacher aus dem Elsass wiederholt unglaublich enge Gruppen um 20 Millimeter. Es ist somit müssig, eigene Schussgruppen anzugeben und die Millimeter zu zählen. Dies verleitet dazu, eine Waffe, die mit 50 mm angegeben wird, schlechter einzustufen, als eine mit 42 mm. Wer weiss, dass der Wert rund 30 mm Schützenstreuung beinhaltet und diese deutlich schwankt, wird sich hüten, ein Urteil über die Waffe abzugeben. Auch ist es sehr schwer, die wirklich optimale Munition für die Waffe herzustellen.

Bei den getesteten Grosskaliber- Waffen war es mir möglich, die Streuung unter 50 mm auf 200 m zu halten. Das ist ein ausgezeichneter Wert, der gerade mal 6 mm auf 25 m entspricht. Eine deutliche Verbesserung ist bei einigen Waffen sicher möglich, jedoch bedingt dies wochenlanges Optimieren der Munition. Auch für gute Silhouetten-Schützen ist dies unnötig, da über die offene Visierung ein Field Turkey auf 200 m mit seinen  115 mm Rumpfdurchmesser nur als Punkt zu sehen ist. Da trifft die Intuition! Wer auf  internationalen Wettkämpfen ganz vorne sein will, nimmt sich die Zeit, aus einer Waffe mehr herauszuholen, als dies je ein Tester kann. Sogar der Hersteller kann diese Resultate nicht erreichen.

Im Endeffekt muss einem die Waffe liegen. Wenn man ihr vertraut, werden die Ergebnisse immer besser. Da sind ein paar Millimeter eines Testers unwesentlich.

 

Tabelle - Gegenüberstellung

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Hersteller
Anschütz Rhöner Weihrauch Wüthrich
 
               
Modell
Prod. MSP Unl. MSP

Field MSP

Tristar G Revolver KK-Prod. Field GK-Prod
 
               
für Disziplin
Production Unlimited Field open Production Revolver Production Field open Production
Standing   Field Optic Standing Production Standing Field Optic Standing
Standing     Unlimited Standing Unlimited   Unlimited
        Unlimited      
 
               
Kaliber
22 l.r 22 l.r .22Hornet 22 l.r 22 l.r 22 l.r K-Hornet 7 GJW
Wechselläufe
nein nein nein nein nein 10¾ u.15 in Klein- und Grosskaliber
Lauflänge
 254 mm 356 mm 235 mm 270 mm 270 mm 272 mm 272 mm 272 mm
Visierung
alle Modelle mit Kimmen- und Korntunnel sowie Wechselkornen (ausser Weihrauch alle für Anschütz- Einsätze) !
Gesamtlänge
405 mm 508 mm 405 mm 402 mm 418 mm 313 mm 313 mm 313 mm
Gewicht
1,75 kg 1,9 kg 1,8 kg 1,8 kg 1,7 kg 1,8 kg 1,6 kg 1,7 kg
ca. Preis (DM)
1450.- 1450.- 1950.- 1250.- 1500.- 2200 2000.- 2200